12.04.2018 | Einkauf

Agile Optimierung in der Ersatzteillogistik – Die Königsdisziplin

Eine schnelle und zuverlässige Ersatzteillogistik zu gewährleisten, gestaltet sich als wahrer Kraftakt. Sie ist dennoch enorm wichtig für Händler- und Kundenzufriedenheit. Entscheidungsintelligente Algorithmen schaffen Abhilfe und ebnen den Weg für ein planbares Ersatzteilmanagement.
Bricht der Bildschirm vom Smartphone oder geht die Ladebuchse kaputt, so werden sich wenige Personen finden, die nicht sofort das entsprechende Ersatzteil verlangen. Und wehe dem Produkt, das solche Fehler öfter aufweist oder dem Hersteller, der nicht die passenden Ersatzteile auf Lager hat. Aber auch Hersteller sind hier letztendlich auf ihre Zulieferer angewiesen und diese müssen sich einer wahren Königsdisziplin in der Logistik stellen: dem Management von Ersatzteilen.

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Bildquelle: © iStock-520705224 XL stockvisual

Kaum eine andere Sparte in der Logistik ist derart anspruchsvoll wie die Ersatzteillogistik. Durch Trends wie Losgröße 1 und individuelle Kundenwünsche in vielen Industrien, vergrößert sich die Produktpalette – und damit steigen die Varianten- und Artikelvielfalt. Doch Kunden fordern nicht nur individualisierte Produkte, sondern verlangen auch einen schnellen und zuverlässigen Lieferservice, wovon Same Day Delivery nur eine der vielen Ausprägungen dieses Anspruchs ist.Damit nicht genug: Zum Ersatzteilgeschäft im Speziellen gehören schwankende Nachfragen und sporadisches Absatzverhalten. Wenn die Nachfrage aber entsteht, dann werden Ersatzteile meist dringend benötigt. Da fallen Kundenreaktionen besonders sensibel aus, wenn Artikel nicht schnell verfügbar sind. Um das zu verhindern, müssen die Ersatzteile entweder vorrätig sein oder ad hoc produziert werden können.

Termintreue erreichen

Für die Automobilindustrie sind diese Anforderungen alltäglich. Ein defekter Scheibenwischer oder ein nicht optimal funktionierender Bordcomputer sind Beispiele, wann Ersatzteile mehr oder weniger dringend gebraucht werden. Auf Grund der vielen unterschiedlichen Teile im Fahrzeug ist die Liste der möglichen Szenarien lang. Und sicherlich kennen Sie es aus eigener Erfahrung: Bei einem meist täglich genutztem Gebrauchsgegenstand wie dem Auto wird ein langes Warten auf Ersatzteile zur Geduldsprobe. Im B2B-Geschäft kann ein fehlendes Ersatzteil sogar stehende Maschinen und damit sich türmende Kosten bedeuten. Damit es nicht dazu kommt, muss ein optimales Ersatzteilmanagement folgende komplexe Fragestellungen beantworten können:

• Wie hoch müssen Lagerbestände sein, um einerseits die Kunden zufrieden zu stellen, andererseits aber nicht zu viel Kapital zu binden?
• Welche Lieferzeiten haben Materialien, die der Einkauf für eine Ersatzteilherstellung kennen muss?
• Welcher Artikel muss wann für welchen Auftrag produziert werden und welche Ressourcen und Maschinenkapazitäten sind dafür nötig?
• Und vor allem: Wie lassen sich all diese interdependenten Aufgaben optimal steuern, also trotz Verschiebungen mit höchstmöglicher Effizienz, Preis-Leistungs-Verhältnis und Geschwindigkeit durchführen?

All diese wichtigen Fragen gilt es in Supply Chain Management und Fertigungsplanung optimal zu lösen. Ersatzteilbestellungen wie bei Reparaturaufträgen von Fahrzeugen müssen durch eine zuverlässige und schnelle Logistik gewährleistet sein. Das ist vor allem entscheidend für die Zufriedenheit des Händlers, der seinen Kunden einen optimalen Service bieten möchte.
Anstatt an dieser Stelle auf eine ganzheitliche Lösung für die Fertigung, Lagerung und Distribution von Ersatzteilen zu setzen, horten kleine Zulieferer häufig Sicherheitsbestände oder weichen auf kostspielige Expresslieferungen aus. Das schadet der Rentabilität des Unternehmens. Wer den Anforderungen des Marktes so trotzen will, wird mit dieser Strategie eher früher als später an seine Grenzen stoßen.

Ersatzteillogistik digital

Das machte sich auch bei der Autodistribution Losch bemerkbar. Der eigenständige Importeur für die Volkswagen- gruppe in Luxemburg nutzte jahrelang ein umständliches, teils manuell gemanagtes Bevorratungssystem für die Ersatzteillogistik. Das Gesamtsortiment, das es zu steuern galt, lag bei etwa 900.000 Positionen, die haupt- sächlich über das europäische Zentrallager durch tägliche Nachtlieferungen bezogen wurden.
Für die Ersatzteillogistik bedeutet diese sehr große Anzahl an Positionen eine hohe Komplexität. Um stets die richtige Anzahl der verschiedenen Artikel zum richtigen Zeitpunkt vorrätig zu haben und den Lagerplatz optimal zu nutzen, müssen Distributoren einen wahren Kraftakt leisten. Doch bei solch komplexen Planungsaufgaben kommt das menschliche Gehirn schnell an seine Grenzen. Mit einem manuell gesteuerten Bevorratungssystem den ganzen Entscheidungsspielraum zu überblicken, ist in vielen Fällen praktisch unmöglich.

Algorithmen als Entscheidungshilfe

Heute optimiert das Unternehmen Losch sein Bestandsmanagement mithilfe des IT-gestützten Managementkonzepts der Agilen Optimierung. Mathematische Optimierungsalgorithmen erstellen innerhalb kürzester Zeit verlässliche Prognosen zur Trendentwicklung. Wenn die Prognose einen Bedarf entdeckt, können die Mitarbeiter – blitzschnell und intelligent – auf Bedarfsentwicklungen reagieren. Die Algorithmen stellen zu diesem Zweck Handlungs- vorschläge bereit, die aufzeigen, wie die benötigten Artikel zum finanziell wie logistisch optimalen Zeitpunkt in optimaler Menge bestellt werden sollten. Ist die Prognosegrundlage besonders gut, können solche Bestellungen auch automatisch erfolgen. Im besten Fall greift der Mensch nur dort ein, wo die Entscheidungsmodelle des Algorithmus nicht alle äußeren Faktoren einkalkulieren können. Das mag zum Beispiel der Fall sein, wenn eine unerwartete Lieferverzögerung eintritt oder eine Charge aufgrund von Qualitätsmängeln nicht disponiert werden kann.Selbst auf die im Automobilmarkt typischen Saisonalitäten können die Disponenten mit der agilen Strategie souverän reagieren und Bedarfe exakt prognostizieren.Bei der Autodistribution Losch konnte so dasBestandsniveau bereits nach sechs Monaten um 15 Prozent gesenkt und ein optimales Preis-/Leistungsverhältnis für den Importeurbetrieb erreicht werden.

IT-Lösungen für einen Wettbewerbsvorteil

Der Einsatz von entscheidungsintelligenten Algorithmen bei der Firma Losch setzt ein Exempel, welches zeigt: Ein manuelles Handling in der Ersatzteillogistik gehört der Vergangenheit an. Um schnell auf das volatile Absatzverhalten im Markt zu reagieren und für Händler attraktiv zu bleiben, müssen Distributoren ihr Bestandsmanagement digitalisieren. Die Investition in eine Software mit entscheidungsintelligenten Algorithmen, kommt nicht nur der Agilität des Unternehmens und den Mitarbeitern zugute, sondern auch der daraus resultierenden Händler- und Kundenzufriedenheit. Dank Agiler Optimierung werden sie schließlich zu wahren Meistern der Königsdisziplin!
Adrian Weiler
Experte für Agiles Management
Unternehmen:
Inform Gmbh

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