03.07.2017 | Coaching

AUFMERKSAMKEIT - KARDINALTUGEND DES DIGITALEN ZEITALTERS

Aufmerksamkeit, die Fähigkeit, unsere Umwelt, das eigene Verhalten sowie Gedanken und Gefühle bewusst wahrzunehmen, ist nicht nur essentielle Voraussetzung für sorgfältiges Arbeiten und gute Arbeitsergebnisse, sondern trägt auch zu unserem Wohlbefinden bei und ist sehr wichtig für jede gelungene Kommunikation. Damit hat sie eine zentrale Bedeutung für die Qualität des Miteinanders mit unseren Mitmenschen, unsere Zusammenarbeit und am Ende unseren persönlichen Erfolg.

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Die heutige Vielzahl von Impulsen und Möglichkeiten hat dazu geführt, dass alles immer knapper gefasst werden muss, damit wir sie in ihrer Anzahl überhaupt noch verarbeiten können. Mann stellt fest, dass heute niemand mehr als ein paar Zeilen lesen will und Business-Mails nicht länger als acht Zeilen sein sollen. Insgesamt sei die Aufmerksamkeitsschwelle von 12 auf 8 Sekunden gesunken. Und wo die Denkzeit pro Thema mathematisch nicht mehr reicht, schrumpft Kommunikation schnell zum verbalen Schlagabtausch mit 140 Zeichen. Das ist insbesondere bedenklich, wenn wir erkennen, dass Denken unsere evolutionäre Nische ist, das, wodurch sich unsere Entwicklung im Verlauf der Erdgeschichte, von der anderer Arten, unterschieden hat.

Doch wie wollen wir unsere Aufmerksamkeit zurückgewinnen und der Impulsflut unserer digitalen und ständigen Welt Herr werden? Ratschläge wie "leg das Gerät doch einfach mal weg" sind wenig praktikabel, wenn wir auf dem Smartphone Kundenanrufe erhalten, kurzfristig Verabredungen treffen, diktieren oder Schnappschüsse machen. Viele im Rahmen unserer Aufgaben nützliche Anwendungen lassen es inzwischen durchaus sinnvoll erscheinen, das Smartphone ständig mitzuführen. Also kann es nur darum gehen, den Gebrauch wirkungsvoll zu steuern.

Es gibt mit verschiedenen Applikationen (Offtime; StayFocused; SelfControle, etc.) die Möglichkeit mit Blockadeprofilen Abhilfe zu schaffen. Leider sind totale Blockaden bei Suchtverhalten ein nur bedingt taugliches Mittel, das zu ähnlichen Entzugserscheinungen führt wie ein leerer Akku oder der Verlust des Gerätes. Und auch nicht mehr angemessen, wenn wir das Thema aus Sicht der möglichen Nutzungszusammenhänge betrachten:

Bei einem eingehenden Signal, einer Benachrichtigung, mail oder einem Anruf, verlassen wir ungewollt die Realität. Eingehende Signale können schaden, weil sie immer dann, wenn wir gerade mit einer Aufgabe beschäftigt sind, zu Multitasking führen. Da wir wissen, dass wir erst nach 23 Minuten wieder das ursprüngliche Aufmerksamkeitsniveau erreichen, ist das eine bedeutende Verschwendungsquelle mit hoher Relevanz für unsere Arbeitswelt.

Aber nicht alle eingehenden Signale sind böse. Es gilt zu unterscheiden zwischen zeitkritischen Eingangssignalen, die vernünftigerweise unserer sofortigen Reaktion bedürfen, und nicht zeitkritischen. Wenn beispielsweise unser Sohn in Kürze vom Bus abgeholt werden will, tun wir gut daran, seine Nachricht zu registrieren. Gleiches gilt möglicherweise für Kundenanrufe. E-Mails hingegen sind per se ein Mittel der asynchronen Kommunikation. Für sie tolerieren wir normalerweise Antwortzeiten von bis zu 24 Stunden. Für ihre Bearbeitung ist es also völlig ausreichend, am Tag ein bis zwei Zeitfenster zur Bearbeitung zu reservieren. Insgesamt müssen wir festlegen, auf welchen Kanälen wir für dringliche Signale erreichbar sein wollen, unsere Umwelt entsprechend informieren und alle übrigen schließen. Oder ihre Benachrichtigungen deaktivieren und aktiv entscheiden, wann wir sie aufrufen.

Es gibt Dinge, die wir nur getrieben von der Angst, etwas zu verpassen, oder zum reinen Zeitvertreib unternehmen, wie Videos schauen, Nachrichten lesen oder tweets kommentieren. Immer, wenn wir in Stöbern geraten und denken "oh, das ist ja interessant", sollten wir aufmerken. Denn in diesem Moment versucht etwas, unsere Gedanken zu steuern und auf sich zu lenken. Warum verlagern wir das nicht in eine tägliche "social media-Stunde"? Als spontane Aktivitäten sind sie schädlich, weil sie uns Denkpausen rauben und weil wir sie überwiegend deshalb sofort unternehmen, weil sich unser Gehirn dermaßen gut an die ständigen Ablenkungen angepasst hat, dass wir sie selbst dann suchen, wenn wir gerade mal Ruhe hätten.

Fokus-Applikationen sind ein guter Beitrag, unsere persönliche Impulsflut zu analysieren und zu steuern. Zweifellos werden weitere Schritte zum versierten digitalen Assistenten folgen. Der uns im richtigen Moment liebevoll fürsorglich nur mit dem versorgt, was wir gerade brauchen, ohne unser inneres Gleichgewicht zu gefährden. Bis dahin können wir auch schlicht eine geringere Zahl signalträchtiger Anwendungen installieren oder unsere eigenen virtuellen Aktivitäten reduzieren, denn jede Aktivität provoziert ihre eigenen Reaktionen.

Hierfür müssen wir nur erstmal unsere inzwischen fragmentierte Aufmerksamkeit gezielt auf das Thema Aufmerksamkeit lenken und uns bewusst mit unserer Smartphone-Nutzung auseinandersetzen. Am Ende gewinnen wir Zeit für uns selbst, Zeit für Einsamkeit und Langeweile, Zeit, um über Dinge nachzudenken oder eine qualitativ gute Kommunikation mit jemandem zu führen. Und um gute Arbeitsergebnisse zu erzielen. Das alles wird indirekt zu unserer Zufriedenheit beitragen

#Aufmerksamkeit#Kommunikation
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Jörg Högemann
Autor
Jörg Högemann
einfach.effizient. GmbH&Co. KG
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