14.08.2017 | Existenzgründung/Businessplan

BUSINESSPLAN Zehn Regeln, die angehende Unternehmer beachten sollten

So kann's klappen BUSINESSPLAN Zehn Regeln, die angehende Unternehmer beachten sollten

Drei eigene Firmen hat Frank Hopp schon gegründet und mehr als 100 Gründer bei ihren ersten Schritten ins Unternehmerleben begleitet:
„Obwohl die Leute aus den unterschiedlichsten Branchen kamen – vom Handel über die Lebensmittelindustrie bis zum produzierenden Gewerbe – machen viele beim Schreiben ihres Businessplans die gleichen Fehler“, erzählt der Gründercoach.

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Manch angehender Unternehmer kenne den Markt, auf dem er sich künftig tummeln wolle, nicht gut genug. Andere hätten ein großes Ziel vor Augen, wüssten aber nicht, wie sie in kleinen Schritten dorthin kommen könnten. Und Einzelkämpfer überschätzten sich häufig und glaubten, dass sie vom Produktdesign über die Logistik bis zur Buchhaltung alle Aufgaben allein bewältigen könnten. „Das finden Investoren unglaubwürdig und schrecken dann oft vor einer Finanzierung zurück“, sagt Hopp.

Vor allen formalen Hürden stehe allerdings noch eine ganz andere:
„Die Chemie zwischen Geldgeber und Gründer muss stimmen“, sagt Hopp, der Unternehmer bei der Kapitalbeschaffung berät. Selbst die beste Geschäftsidee könne fehlende Sympathie nicht ausgleichen. (Fast) alles andere lässt sich glücklicherweise lernen. impulse hat gemeinsam mit dem Hamburger Experten für Unternehmensgründungen zehn Regeln für einen Erfolg versprechenden Businessplan entwickelt:

1. Schreiben Sie selbst

Die oberste Regel klingt banal: „Schreiben Sie Ihren Businessplan auf jeden Fall selbst“, sagt Frank Hopp. Immer wieder hat er Gründer kennengelernt, die es am liebsten gesehen hätten, wenn er ihnen diese Arbeit abgenommen hätte. „Beim Schreiben Ihres Businessplans setzen Sie sich intensiv mit den Hürden auseinander, die auf Sie zukommen können. Und Sie überlegen schon mal, wie Sie diese überwinden können.“ Hopp rät, sich zur Anschauung Beispiel-Businesspläne aus dem Internet herunterzuladen, befreundete Unternehmer oder auch einen Berater (siehe Seite 40) zu fragen, wenn man nicht weiterkommt.

2. Denken Sie an die Konkurrenz

Neben einer guten Geschäftsidee ist eine umfangreiche Marktanalyse eine der wichtigsten Grundlagen jedes Businessplans: Welche anderen Anbieter gibt es, und welche Schwerpunkte haben sie? Gibt es trotz Konkurrenz noch genügend potenzielle Kunden für meine Firma, oder werde ich in der Lage sein, Kunden von anderen Anbietern abzuwerben? „Nur wenn Sie Ihr Umfeld genau kennen, können Sie entscheiden, ob es sich überhaupt lohnt, ein Unternehmen zu gründen“, sagt Frank Hopp.

3. Überlegen Sie rechtzeitig, woher Ihr Kapital kommen soll

Einen Businessplan schreiben Sie nicht nur für sich selbst, sondern vor allem auch für Ihren Geldgeber, also eine Bank oder einen privaten Investor. Private Investoren erhalten für ihr Investment in der Regel Anteile am Unternehmen. Sie sind deshalb noch stärker als eine Bank daran interessiert, dass das Unternehmen schnell Gewinne erwirtschaftet.
Wer private Investoren sucht, sollte auf diesen Aspekt also ausführlich eingehen. Man unterteilt private Geldgeber noch einmal in strategische Investoren, die ein Mitspracherecht bei Entscheidun-

gen haben, und operative Investoren, die zwar Kapital geben, sich sonst aber im Hintergrund halten. „Ein strategischer Investor kann besonders bei unerfahrenen Gründern helfen, wenn er die Branche kennt und auch mal einen fachlichen Rat geben kann“, so Frank Hopp.

4. Fassen Sie sich kurz

Kein privater Investor und kein Banker hat Zeit, einen 100-seitigen Businessplan samt 30 Seiten Charts zu wälzen. „Beschränken Sie sich auf maximal 30 Seiten“, sagt Experte Hopp. Er rät, mit der Zusammenfassung zu beginnen, in der die grundlegende Geschäftsidee erklärt wird. Danach folgen die Marktanalyse, die Vorstellung des Teams, Erläuterungen zu Marketing und Vertrieb sowie gegebenenfalls zu Logistik und Fertigung, die Finanzplanung und Erklärungen zu den Betriebsmitteln. Nach Hopps Erfahrung schauen Investoren besonders auf die Zusammenfassung, die Teamvorstellung und die Finanzplanung. Diese Kapitel sollten Gründer deshalb besonders sorgfältig verfassen. Seinen Klienten rät Hopp, mit Power Point statt mit Word zu arbeiten. „Das ist übersichtlicher, und Sie können einzelne Folien für einen Pitch rausnehmen.“

5. Planen Sie in kleinen Schritten

Wer in seinem Businessplan festhält, wo er in einem Jahr stehen will, setzt einen wichtigen Meilenstein. „Sie müssen sich aber auch überlegen, wie genau Sie dahin kommen wollen“, sagt Hopp. Der Gründercoach rät, in kleinen Schritten zu planen und sich für jeden Monat, mindestens aber für jeden zweiten Monat einen Meilenstein vorzunehmen. Beispielsweise eine bestimmte Anzahl von Neukunden, die zu einem gewissen Zeitpunkt erreicht sein soll. „Zum einen bestehen viele Banken auf so einem detaillierten Zeitplan“, sagt Hopp. „Und zum anderen können Sie so kontrollieren, ob Sie auf dem richtigen Weg sind.“

6. Planen Sie mehr Geld und mehr Zeit ein

Wie lange es dauert, bis Gründer von ihrem Unternehmen leben können, hängt von Dutzenden Faktoren ab: von der Branche, der konkreten Geschäftsidee und der Konkurrenz zum Beispiel. Trotzdem warnt Frank
Hopp: „Es dauert fast immer länger, als man denkt, und viele unterschätzen, welche Kosten sie erst mal stemmen müssen.“ Er rät dazu, sich früh mit Gründern aus der gleichen Branche zu vernetzen und diese nach ihren Erfahrungen zu fragen. „Für die meisten gilt, dass sie rund 20 bis 50 Prozent mehr Kapital einplanen sollten, als sie ursprünglich vorhatten“, sagt Hopp. Aus Erfahrung weiß er, dass vielen gerade dann das Geld ausgeht, wenn sie die ersten Gewinne erwirtschaften. Eine großzügige Kapitalplanung hat aus seiner Sicht noch einen Vorteil: Meist ist es leichter, von Banken und Investoren zu Beginn eine höhere Summe zu bekommen, als später eine Nachfinanzierung zu beantragen.

7. Seien Sie nicht zu geizig zu sich selbst

Geld brauchen Gründer nicht nur im Unternehmen, sondern auch für ihr Privatleben. Wer mit seiner Firma erst einmal nichts – oder nicht genug – verdient, muss entweder von seinen Ersparnissen leben oder seinen Unterhalt von dem Kapital finanzieren, das er eingesammelt hat.
„Rechnen Sie Ihre Lebenshaltungskosten nicht auf ein absolutes Minimum runter“, sagt Hopp. Seiner Erfahrung nach funktioniert das nicht:
„Die Kosten müssen realistisch sein, sonst lehnen Banken und Investoren den Antrag im Zweifel ab.“

8. Verkaufen Sie sich nicht unter Wert

Viele Gründer kalkulieren den Preis für ihr Produkt zu günstig, weil sie glauben, nur so als Neueinsteiger eine Chance zu haben. Doch diese Haltung birgt eine große Gefahr: „Von einem niedrigen Preis kommen Sie kaum wieder runter“, erklärt Berater Hopp. „Wie wollen Sie Ihren Kunden einen plötzlichen Preisanstieg erklären?“ Im Businessplan sollten deshalb Preise stehen, die den Material- und Zeiteinsatz berücksichtigen. „Eine kleine Rabattaktion für Neukunden können Gründer natürlich trotzdem anbieten“, sagt Hopp. „Aber kalkulieren Sie genau, ob Sie sich das leisten können.“

9. Selbst ist der Unternehmer - nicht ganz

Neben der Entwicklung des Produkts verlangt das Unternehmerdasein noch einige Kompetenzen mehr: angefangen vom Marketing über den Vertrieb bis zur Buchhaltung und der IT. Wer ein Team hat, das all diese Kompetenzen abdeckt, kann sich glücklich schätzen. Wer Einzelkämpfer ist und im Businessplan angibt, alle Fähigkeiten mitzubringen, macht bei Investoren schnell einen unglaubwürdigen Eindruck. „Zeigen Sie lieber, dass Sie ein Netzwerk haben, auf das Sie zurückgreifen können“, rät Hopp. „Zum Beispiel einen Steuerberater oder einen IT-Fachmann.“

10. Bitte nicht betteln

Gerade Erstgründer neigen dazu, Investoren gegenüber als Bittsteller aufzutreten, weiß Frank Hopp. Doch das ist gar nicht nötig.
„Investoren geben ihr Geld ja nicht aus Gutmütigkeit her, sondern weil sie davon ausgehen, dass es sich durch das Investment vermehrt.“ Erklären Sie in Ihrem Businessplan also selbstbewusst, welche Rendite Ihre potenziellen Investoren sich erhoffen dürfen und wie schnell sie mit Wachstum rechnen können.

UNTERM STRICH

Ein Businessplan hilft, eine Geschäftsidee in kleine Schritte zu unterteilen. Wer ihn selbst schreibt, setzt sich automatisch damit auseinander, kann Hürden erkennen und umgehen.


Quelle: Impulse Magazin 05/2017
Text: Catalina Schröder

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Frank Hopp
Autor
Frank Hopp
GREYCON Management GmbH
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