04.01.2018 | Coaching

Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken - anders führen

Aus 30 Jahren Führung und Führungsberatung sei ein kleines Geheimnis verraten: Unternehmer und Führungskräfte, die eine Weiterentwicklung bei der Führungsarbeit anstreben, motivieren eher selten strategische Überlegungen, sondern sie fühlen sich von den täglichen Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern übermäßig belastet und genervt. Demotivation und Unsicherheit über die eigene Führungsrolle und –fähigkeit sind der Normalfall.

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Bildquelle: © iStock.com/Frizzantine

Das ist – man glaubt es kaum - eine gute Basis für die Entwicklung einer starken Führungspersönlichkeit und - damit verbunden - einer produktiven Unternehmenskultur. Schließlich verdanken sich nach der weltweit größten in Deutschland durchgeführten Studie zur Unternehmenskultur mehr als 30% des finanziellen Erfolgs eines Unternehmens diesem Faktor, der entscheidend von den Führungskräften – im Guten wie im Schlechten – geprägt wird. Dies wird mittlerweile auch von staatlicher Seite im Förderprogramm „unternehmensWert:Mensch“ als Bestandteil der Wirtschaftsförderung berücksichtigt.

Reflektiert die Führungskraft über sich, hat sie schon den Schlüssel zur Lösung in der Hand. Dabei helfen nicht die massenhaften angepriesenen „Patentrezepte“ zum Führungsverhalten, die nur Sprechmaschinen ohne innere Überzeugung produzieren. Ein anderer Weg dauert zwar länger, erzeugt dafür aber auch nachhaltige Ergebnisse.

Aber Punkt für Punkt.
Was ist eigentlich Unternehmenskultur? Es sind die grundlegenden Überzeugungen und die damit verbundenen Werte und Normen, die das Verhalten der Beschäftigten in einem Unternehmen bestimmen. Entscheidende Faktoren sind die Stellung zu und der Umgang mit den Menschen im betrieblichen Umfeld. Eine Unternehmenskultur zeigt sich vor allem in der Mitarbeiter-, der Kunden-, der Qualitäts- und der Leistungsorientierung. Welches dabei die Inhalte der Unternehmenskultur eines Unternehmens sind, lässt sich nicht pauschalisieren.

Der aufwendigere Weg, diese Werte individuell aus dem Unternehmen selbst heraus zu entwickeln, ist nicht vermeiden, will man nicht bei plakativen Parolen landen, die in fast jeder Unternehmensbroschüre oder -homepage zu finden sind.

Gelten in einem Maschinenbau eher mathematische Präzision und technische Finesse als Werte, benötigt ein projektierendes Unternehmen mehr Ruhe und Übersicht oder misst sich ein Sozialunternehmen hauptsächlich am Wohlergehen der ihm anvertrauten Klienten. Unternehmenskultur so zu formulieren, was dies praktisch im betrieblichen Alltag bedeutet, gibt das Programm vor, das die Führungskräfte an die Mitarbeiter zu vermitteln und bei Abweichungen zu korrigieren haben.

Und dann wird es für Führungskräfte spannend, weil hier deren Überzeugungskraft, Glaubwürdigkeit und Unerschütterlichkeit gefordert ist. Das bedeutet mehr als die branchenspezifischen Wettbewerbsfaktoren. Diese persönlichen Faktoren sind der Kitt, der die sachlichen Unternehmenswerte zusammenhält.

Aus einem Handbuch für Führungskräfte und Unternehmenskultur?
„Die Erwartungen werden klar und deutlich formuliert.“
„Kritik wird zeitnah, offen, direkt an den Betreffenden und ohne persönliche Abwertung geübt.“
„Die Geschäftspraktiken und der zwischenmenschliche Umgang sind ehrlich und ethisch vertretbar.“
„Dem Mitarbeiter wird gezeigt, dass gute Arbeit und Einsatz registriert und anerkannt werden.“
Nein; dies sind laut der o.a. Studie zur Unternehmenskultur die wichtigsten Erwartungen von Mitarbeitern im Bereich der Kommunikation und der Werte an die Führungskräfte. Vielleicht überraschend, dass sich hier Interessen von Mitarbeiter und Führung treffen.

Was bedeutet das für die Führungspersönlichkeit? Einfach formuliert: Sie sollte in sich ruhen. Das ist keine esoterische Größe, sondern gemeint ist ein sachliches Bild über sich selbst, die Schwächen und Stärken, die Ziele und auch das Unerreichbare; Klarheit über die Ansprüche, von denen man sich immer wieder einfangen lässt, obwohl sie einem Schaden; eine Eigensensibilität für die Verletzlichkeiten und die motivierenden Seiten des privaten und beruflichen Lebens. Anzustreben ist ein rationelles Selbstbewusstsein, das kein „Tschakka“ braucht, weil man sich nichts mehr über sich vorzuspielen braucht.

Der unbefangene Blick auf sich bleibt so selbstkritisch, ohne selbstzweiflerisch zu werden, weil die Differenz von Schein und Sein vor sich selbst und anderen aufgehoben wird.
Ein solches Auftreten als Führungskraft ist schon der erste Schritt zu Praxis von Unternehmenswerten, die gerne formuliert, aber selten praktiziert werden: Ehrlichkeit, Fähigkeit zur sachlichen Auseinandersetzung, Selbstkritik und Empathie. So können diese Werte glaubwürdig vertreten werden, um den menschlich und betrieblich förderlichen Umgang miteinander im Alltag konsequent voran bringen. Dazu gehört auch, die Konflikte, die notwendiger Bestandteile der Führungsaufgabe sind, in produktiver Weise zu lösen, die sich an den Unternehmenswerten orientiert. Diese menschlichen Unternehmenswerte erleichtern letztendlich die Umsetzung der fachlich-sachlichen Unternehmenswerte und -ziele.

Im Ergebnis: Die gute Führung von sich selbst ist die Voraussetzung für die gute Führung von Mitarbeitern.

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Rolf Gärtner
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Rolf Gärtner
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