05.03.2018 | Controlling/Rechnungswesen

Die „Pi mal Daumenmethode“ für kleine Unternehmen

Häufige Kundenanfragen lauten wie folgt: „Wir brauchen täglich einen Überblick über unser Erfolgspotential und die Liquidität“ oder „Wir benötigen eine Kostenrechnung mit Reportingfunktion“. Was sich zunächst ziemlich harmlos anhört, ist in Wirklichkeit mit hohem Konzeptionsaufwand seitens des beratenden Unternehmens einerseits und mit erheblichem Zeitaufwand und Ressourceneinsatz beim anfragenden Unternehmen andererseits verbunden. Rückmeldungen unserer Kunden zeigen, dass oftmals schlicht die Zeit und die Mittel fehlen, die notwendigen Informationen in das System einzupflegen. Somit ist auch das beste System macht- und wertlos.

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Dies veranlasste uns eine wirklich praktikable Einstiegslösung aus Sicht des Unternehmens zu entwickeln. Es liefert zwar nicht auf den Cent genaue, aber doch vertretbare und für die Steuerung brauchbare Ergebnisse. Und dies mit minimalem Zeitaufwand. Grundlage dieser Entwicklung ist die Erkenntnis aus der Praxis, dass das Kernproblem in einer nicht vorhandenen Liquiditätsplanung liegt, oftmals verursacht durch Probleme bei der Fakturierung der Leistung bzw. durch ein unzureichendes Mahnwesen. Dieser Bereich wird konsequenterweise als erstes implementiert.

Die „Pi mal Daumenmethode“ als Einstieg in eine erfolgreiche Zukunft
Lieber die wichtigen Probleme ungefähr als die falschen exakt lösen!

Eine zu überfrachtete Controllinglösung (insbesondere mit diversen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und zu vielen Funktionen) überfordert die meisten Unternehmen/Unternehmer und führt zu Resignation und Ablehnung. Hinzu kommt die mangelnde Zeit, sich entsprechend mit der Materie zu beschäftigen. Die Konzentration auf das Wesentliche ist der optimale Einstieg und Basis für Erweiterungen in der Zukunft. Das Unternehmen wird Schritt für Schritt in die betriebs-
wirtschaftliche Thematik eingeführt und sensibilisiert, getreu dem Motto „von der Pflicht zur Kür“. Die Pflicht ist in diesem Fall die Liquiditätssicherung und somit der kurzfristige Unterneh-
menserhalt. Die in dieser Phase eingesetzten Werkzeuge sind bewusst einfach gehalten, sowohl in der Pflege als auch in der Bedienung. Der Vorteil ist zudem die kostengünstige Umsetzung, die dem Unternehmen den notwendigen finanziellen Spielraum für das Tagesgeschäft lässt. Das Spannungsfeld zwischen Anspruch (Beraterseite) und Wirklichkeit (Unternehmenspraxis) wird durch die einfache und praxisorientierte Ausgestaltung, besonders im Hinblick auf den aufzubringenden Zeitaufwand, optimal zusammengeführt.

Vorteile auf einen Blick
- Schnelle Umsetzung im Unternehmen
- Minimaler Abstimmungsaufwand und somit geringe zeitliche Bindung des Unternehmers bei der Implementierung
- Kostengünstig umsetzbar
- Jederzeit um zusätzliche Funktionen erweiterbar
- Keine zusätzliche Software nötig da auf Excelbasis

Erweiterungsmöglichkeiten
Bei der Kalkulation der Stundensätze zeigt die Erfahrung, dass die betroffenen Unternehmen meist intuitiv über Jahre kostendeckend bzw. gewinnbringend gearbeitet haben. Plötzliche Änderungen der Rahmenbedingungen führen dann jedoch dazu, dass man mit einzelnen Produkten/Leistungen in die Verlustzone rutscht und erst sehr viel später merkt, oftmals wenn es schon zu spät ist, dass die Existenz des gesamten Unternehmens auf dem Spiel steht.
Perspektivisch ist es deshalb sinnvoll, auf die vorhandene Debitoren- und Liquiditätslösung in einem zweiten Schritt eine Ertrags- und Kostenplanung aufsetzen, die in definierten Zeitabständen die Kalkulation überprüft. Ergänzend kann auch die Einführung einer Deckungsbeitragsrechnung sinnvoll sein.

Fazit
Anfangs steht man als erfahrener Unternehmer dieser etwas provokant titulierten Methode zunächst skeptisch gegenüber. Allerdings zeigen Rückmeldungen aus der Praxis die erfolgreiche Umsetzung und Anwendung im Unternehmen. Zudem baut die Bezeichnung „Pi mal Daumen“ Hemmschwellen beim Zugang zu der komplexen Materie ab. Und damit geht man schon das Kernproblem bei der Zielgruppe der kleinen Unternehmen an. Denn nur eine proaktiv eingesetzte Controllinglösung führt zum gewünschten Ziel – langfristige Profitabilität und finanzielle Stabilität.

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Helmut Weinzierl
Autor
Dr. Helmut Weinzierl
Zahlenwerk GmbH
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