13.11.2017 | Finanzierung/Rating

Die Zukunft der Beratung

Viele mittelständische Unternehmen haben ein hohes Maß an Vertrauen zu ihrem Steuerberater/Wirtschaftsprüfer. Der Berater erlangt einen tiefen Einblick in die finanziellen, steuerlichen und auch persönlichen Belange seiner Mandanten. Diese Einsicht benötigt er auch, um seine Mandanten optimal beraten zu können.

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In der Vergangenheit war der Steuerberater quasi der „Haus- und Hof-Berater“ für die Unternehmen, der sowohl in seinem Kerngeschäft, der Buchhaltung und Steuerberatung, als auch in weiteren Themenfeldern wie Finanzierung oder operativen Fragestellungen des Betriebes konsultiert wurde.

Doch die immer komplexer werdenden steuerlichen, finanzwirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen bringen auch viele Steuerberater an die Grenze des Machbaren. Allein aus Kapazitätsgründen (u. a. gestiegene Dokumentationspflichten in der Steuerberatung) führt dies in vielen Fällen dazu, dass Steuerbüros nicht in der Lage sind ihre Mandanten in allen Belangen über die Kern-Expertise Steuerberatung hinaus zu beraten und die Mandanten ihren Steuerberater infolge dessen als zu passiv empfinden. Diese Wahrnehmung bekommen wir von vielen Mandanten gespiegelt. Allerdings müssen sich Mandanten fairerweise auch die Frage gefallen lassen, welchen Auftrag sie ihrem Steuerberater gegeben haben und ob sie nicht eine überhöhte Erwartungshaltung an ihn stellen.

Insofern geht der Trend in der Beratung dahin, dass Berater Netzwerke bilden, damit jeder in seinem Kern-Beratungsfeld seine Expertise mit höchster Professionalität einsetzt. Dort, wo die eigene Expertise an Grenzen stößt, werden gute Berater nicht versuchen mit gesundem Halbwissen und hohem Zeitaufwand die Dinge selbst zu regeln, sondern einen Profi aus ihrem Netzwerk einbinden, um ein optimales Ergebnis für die Mandanten zu erzielen. Diese Vorgehensweise wird von Unternehmen heute positiv eingeschätzt.

Eine andere Vorgehensweise würde in Teilen auch zu hohen Haftungsrisiken aus der Beraterhaftung zum Beispiel bei der Beratung eines Unternehmens in Schwierigkeiten im Rahmen einer Sanierungsberatung führen. Falls eine verspätete Sanierung zu einer Insolvenz führt, prüfen Insolvenzverwalter beispielsweise gerne die Themen Insolvenzverschleppung durch den Unternehmer oder Beihilfe zur Insolvenzverschleppung durch Steuerberater, Banken etc.

Die Vorstellung der Unternehmen, dass der Steuerberater quasi als „eierlegende Wollmilchsau“ den gesamten Beratungsbedarf abdecken kann ist also veraltet. Die Konzentration auf eine belastbare, zeitnahe Erstellung von Buchführung, Bilanzen, Steuererklärungen etc., also das „Bespielen“ der finanzamtsrelevanten Themen, erfolgt durch die Steuerberater. Rechtliche Themen werden durch Fachanwälte z. B. für Personalrecht, Handelsrecht, Insolvenzrecht etc. abzudecken sein. Für eine betriebswirtschaftliche Beratung, Planzahlenerstellung oder die optimale Vorbereitung von Finanzierungskonstrukten werden in immer stärkerem Maße Kooperationen mit Unternehmensberatungen geschlossen.

Die Welt ist schnelllebiger und ihre Anforderungen sind komplexer geworden. Der Austausch mit mehreren „Sparringspartnern“ bietet den Unternehmen und ihren Beratern die Chance bessere Ergebnisse zu erzielen und sich für die Herausforderungen der Zukunft optimal zu wappnen.

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Georg Gerdes
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Georg Gerdes
Wirtschaftskanzlei Georg Gerdes
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