05.04.2017 | Unternehmensnachfolge

Emotionale Zeitbomben in der Unternehmensnachfolge

Professionelle Strategien zur Entschärfung bei Generationswechsel oder Unternehmensverkauf

Jedes Jahr stehen alleine in Deutschland über 70.000 UnternehmerInnen (Quelle IMF, Bonn) vor der bedeutsamen Frage der Unternehmensnachfolge.
Millionen von Arbeitsplätzen sind hiervon in den nächsten 10 Jahren betroffen.

Aber wie gehe ich als Entscheider eigentlich mit der Nachfolgeregelung um?
In den meisten Fällen steht dies nur einmal im unternehmerischen Leben an und wird in der Komplexität und dem Zeitanspruch stark unterschätzt.

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Professionelle Strategien zur Entschärfung bei Generationswechsel oder Unternehmensverkauf

Jedes Jahr stehen alleine in Deutschland über 70.000 UnternehmerInnen (Quelle IMF, Bonn) vor der bedeutsamen Frage der Unternehmensnachfolge.
Millionen von Arbeitsplätzen sind hiervon in den nächsten 10 Jahren betroffen.

Aber wie gehe ich als Entscheider eigentlich mit der Nachfolgeregelung um?
In den meisten Fällen steht dies nur einmal im unternehmerischen Leben an und wird in der Komplexität und dem Zeitanspruch stark unterschätzt.

Egal ob die Nachfolge innerhalb der Familie stattfinden soll (kann) oder ein fremder Dritter die Geschichte des Unternehmens fortführen soll.
Für beide, dem „Gebenden“ und dem „Nehmenden“, stehen grundlegende persönliche Lebensfragen auf der Tagesordnung einer erfolgreichen Übergabe.

Nach einer Untersuchung der Harvard-University, im europäischen Mittelstand, scheitern über 80% (!) der Familienunternehmen bei, während oder nach einer Übergabe, an ungeklärten emotionalen Konflikten. Oftmals erst nach vielen Jahren. Prominente Fälle sind hier beispielsweise Bahlsen, die Bayreuther Wagner Festspiele, Tchibo, Haribo usw.

Wenn also in vielen Fällen, trotz kompetenter Rechts- und Steuerberatung, eine solche gewaltige Zahl von Unternehmen in ihrer Nachfolge scheitert, wie soll ich dann als verantwortlicher Inhaber eigentlich handeln?

Worauf muss ich achten, um „emotionale Zeitbomben“ zu entschärfen?

  • Wie kann ich zwischen Macht und Liebe in einem Familienunternehmen die Balance herstellen?
  • Was hält mich eigentlich davon ab, die Nachfolgefrage frühzeitig anzugehen?
  • Was blockiert mich, wichtige Schritte und Entscheidungen zu fällen?
  • Warum halte ich an etwas fest, ohne die neuen Wege einer Zukunft ohne Unternehmen überhaupt zu prüfen?

Fragen über Fragen, die in ganz anderen Themenbereichen genauso auch den Übernehmer eines Unternehmens treffen.

Die Tabuisierung der Nachfolgeproblematik kann in vielen mittelständischen Unternehmen zu einem Entzündungsherd führen, der manchmal sogar das Unternehmen selbst in seinen Grundfesten erschüttert.
Die Nachfolge ist somit eine permanente, strategische Führungsaufgabe erstes Ranges in jedem Unternehmen, und ganz besonders in Familienunternehmen.

Denn zur Altersfrage einer Nachfolgeregelung, kommt auch die Frage nach einem unerwarteten und ungewollten Wechsel, aufgrund von Krankheit oder Tod. 26% der jährlich über 70.000 Unternehmen in Deutschland werden von dieser Aufgabe eiskalt überrascht!
Haben Sie Ihren unternehmerischen „Notfalkoffer“ für den Fall der Fälle gepackt und sind die Familie und Mitarbeiter in allen Details gut vorbereitet?

Und gut 15% Anteil der individuellen Zinskosten eines Unternehmens, werden heute bei Banken von der gründlichen Vorbereitung der Nachfolgesituation abhängig gemacht.

Der einzige und richtige Beginn der Nachfolgefrage liegt also immer bei einem selbst.
Nur der Übergeber selbst kann bei sich anfangen - alles andere wären überflüssige Kosten- für Steuer-, Rechts-, oder Unternehmensberater.

Sowohl der Gebende als auch der Nehmende, müssen sich über ihre wirklichen Bedürfnisse, Interessen, Wünsche, Ziele und über ihre Motivation und ihren wirklichen Willen, Klarheit verschaffen.
Dann, und nur dann, kann der nächste Schritt erfolgen.

Diese wichtige Selbstklärung ist nicht einfach und sollte idealerweise mit „Sparrings-Partnern“ erfolgen, die nicht emotional in die Frage der Nachfolge eingebunden sind.
Ein kompetentes Hintergrundwissen, um die Entwicklung solcher Entscheidungs- und Klärungsprozesse, sollte ein jeder Begleiter für diese anspruchsvolle Aufgabe vorweisen können.
Dies kann, bei fortgeschrittenen Konfliktsituationen in ungeklärten oder nur halbherzig betriebenen Übergaben, auch durch eine kompetente Konfliktschlichtung (Mediation) erfolgen.
Erst nach erfolgter Konfliktmoderation, können dann die weiteren Fragen und Ziele wieder aufgenommen werden.

Zeitgleich sollte auch eine seriöse erste Unternehmenswertermittlung durchgeführt werden (bei dem geschilderten Ablauf ist eine gesunde betriebswirtschaftliche Basis mal vorausgesetzt, sonst müssten natürlich erst mal Sanierungsmassnahmen durchgeführt werden und die Nachfolgefrage vermutlich verschoben werden).
Was soll überhaupt genau vererbt oder verkauft werden? Immobilien, Anlagen, Kundendaten, Name usw..?

Der Unternehmenswert und die Definition des Verkaufsumfangs dient der Einschätzung des Übergebers und ist auch eine wichtige Grundlage für die Planung der weiteren Vermögensaufstellung; für den neuen Lebensabschnitt nach dem Unternehmerdasein.
Mit der Ermittlung des Unternehmenswertes (i. d. R. nach der Ertragswertmethode – ein auf die zukünftige Entwicklung ausgerichtetes Verfahren) wird in der Regel auch eine Verkaufsunterlage (Exposé) für das betreffende Objekt erstellt.
Hier finden dann gerade fremde Interessenten alle wichtigen Daten und Fakten übersichtlich dargestellt.
Sollte also keine innerfamiliäre Nachfolge (ein Trend, der sich leider für den Mittelstand weiterhin verstärkt) möglich sein, gilt es innerhalb (MBO – Management buy out) und außerhalb (MBI – Management buy in) des Unternehmens nach einen Nachfolger und Käufer (außerhalb von Einzelpersonen können das Unternehmen wie z.B. Wettbewerber sein) zu suchen.

Diese Schritte der Suche in der „Öffentlichkeit“ sollten immer verdeckt erfolgen.
Es ist daher zu empfehlen, hierfür neutrale Berater einzuschalten, die die Interessenten nachhaltig filtern können und die Spreu vom Weizen trennen.

Für diese möglichen Übernehmer gibt es dann eine erste kurze und neutralisierte Zusammenfassung der wichtigsten Unternehmensdaten.
Später folgt dann bei weitergehendem Interesse die Übersendung eines ausführlichen Exposés, gegen Unterschrift einer Verschwiegenheitserklärung.

Intensive Verhandlungen, ein weiterer Datenaustausch, Finanzierungsfragen, steuerliche und rechtliche Fragen, möglicherweise auch eine weitere Analyse durch fremde Wirtschaftsprüfer, untermauern die nächsten Schritte.

Selbst in dieser, schon sehr fortgeschrittenen Phase, ist auch immer noch ein Scheitern einzukalkulieren! Häufig kommen dann wieder die ungeklärten emotionalen Fragen in den Vordergrund. Das begründet auch die weit verbreitete Empfehlung sich ab ca. Mitte 50 mit den Fragen der Nachfolge auseinander zu setzen.
Die Komplexität ist nicht zu unterschätzen und die Einbindung der verschiedenen Experten bei diesem einmaligen Vorgang im Leben eines Unternehmers/in unbedingt zu empfehlen.

#Unternehmensnachfolge#Emotionen#Kommunikation
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Nils Koerber
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Nils Koerber
K.E.R.N - Die Nachfolgespezialisten
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