08.11.2017 | Finanzierung/Rating

Erbschaftssteuerreform und Unternehmenswertermittlung

Erbschaftssteuerreform: Verbesserungen bei der Unternehmenswertermittlung weiterhin nicht ausreichend

Trotz der heute besseren Transparenz im Internet bei aktuellen, marktüblichen Bewertungs-multiplikatoren überschätzen viele Unternehmensinhaber den Wert ihrer Firma. Dies ist mit Blick auf das eigene Lebenswerk verständlich, kann jedoch auch handfeste negative Konsequenzen zur Folge haben. Das Gute daran: die nachteiligen Auswirkungen lassen sich mit nur geringem Aufwand vermeiden.

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Eine nicht sachgerecht durchgeführte Unternehmensbewertung kann zum Beispiel bei einer familieninternen Unternehmensnachfolge zu überhöhten Schenkungs- oder Erbschaftssteuer-zahlungen führen, die die finanzielle Belastbarkeit des Nachfolgers übersteigen. Denkbar sind auch zu hohe Ausgleichszahlungen zulasten der übernehmenden Familienmitglieder. Schließlich kann eine falsche Bewertung im Falle einer beabsichtigten Unternehmensveräußerung zu einer überhöhten und damit unrealistischen Kaufpreisforderung führen, die die Veräußerbarkeit einschränkt oder gar die Unverkäuflichkeit des Unternehmens zur Folge hat. „Im deutschen Mittelstand ist die Ertragswertmethode unverändert Standard“, so der Bewertungsexperte Thomas Dörr (K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten), „entweder in Form des vereinfachten Ertragswertverfahrens gemäß Bewertungsgesetz oder nach den Grundsätzen des Instituts der Wirtschaftsprüfer e.V. (IDW S1)“.

Mit Blick auf die Erbschaftssteuerreform, die im vergangen Jahr rückwirkend zum 1. Juli 2016 in Kraft getreten ist, hat sich eine Verbesserung bei der Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens ergeben. Die vorher gültige Fassung des Bewertungsgesetzes führte laut Dörr regelmäßig zu überhöhten Unternehmenswerten. Mit Inkrafttreten der Erbschaftssteuerreform hat sich der Kapitalisierungsfaktor von 17,86 auf 13,75 reduziert und gilt für alle Bewertungsstichtage nach dem 1. Januar 2016. Außerdem ist bei Erfüllung bestimmter, jedoch sehr restriktiver, Kriterien ein Bewertungsabschlag von 30% möglich. „Die Absenkung des Kapitalisierungsfaktors ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so K.E.R.N Partner Dörr, „angesichts des niedrigen Zinsumfelds ergeben sich jedoch in vielen Fällen weiterhin überhöhte Werte. Wir arbeiten daher unverändert mit dem Ertragswert nach IDW S1.“ Der neue Kapitalisierungsfaktor von 13,75 entspricht vereinfacht einem Kapitalisierungszinsfuß von ca. 7,3%. Diese Größenordnung ist gerade bei kleinen, inhabergeführten Mittelständlern aufgrund des erhöhten Risikos im Hinblick auf ein erfolgreiches Gelingen der Unternehmensnachfolge realitätsfern. In der Praxis sind hier regelmäßig zweistellige Diskontierungssätze zu beobachten, die u.a. in Abhängigkeit der tatsächlich vom abgebenden Unternehmer auf den Nachfolger übertragbaren Ertragskraft schwanken.

Das IDW-Verfahren orientiert sich demgegenüber aufgrund einer objektivierten Einschätzung der zukünftigen Überschüsse und eines realistischen Kapitalisierungszinsfußes näher am Marktwert des Unternehmens. Der Kapitalisierungsfaktor unterliegt einer fortlaufenden Anpassung an die tatsächlichen Marktgegebenheiten. Beide Verfahren werden von den Finanzbehörden bei der Bemessung der Schenkungs- oder Erbschaftssteuer akzeptiert. Eine fachgerechte, wenn auch etwas aufwändigere IDW-Ertragswertermittlung bleibt damit auch zukünftig vorzuziehen, da sie einen größeren Spielraum bietet und die Ermittlung realistischer Marktwerte zulässt.

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Thomas Dörr
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Thomas Dörr
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