06.11.2017 | Finanzierung/Rating

FINANZIERUNG - Factoring natürlich auch für KMUs

Factoring gewinnt vor allem im Mittelstand als alternative Finanzierungsmethode weiter an Bedeutung. Sind Sie ein geeigneter Kunde?

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Factoring-Eignung

Wenn Sie die folgenden Fragen mit ja beantworten können, dann sind Sie möglicherweise
ein geeigneter Factoring-Kunde (Quelle: IHK München und Oberbayern):
- Besteht das Unternehmen seit mindestens ein bis zwei Jahren?
- Verfügt das Unternehmen über ein mindestens positives Eigenkapital und positive Betriebsergebnisse?
- Liegt der Jahresumsatz bei mindestens 0,5 Mio Euro mit idealerweise steigender Tendenz?
- Hat das Unternehmen regelmäßig Liquiditätsbedarf (regelmäßige Inanspruchnahme der vollen KK-Linie und von Lieferantenkrediten)?
- Betreibt das Unternehmen Handel oder Dienstleistung vorwiegend mit gewerblichen Stammkunden im In- und EU-Ausland?
- Ist die Leistung bereits erbracht, wenn die Rechnung geschrieben wird?
- Erbringt das Unternehmen eine standardisierte Ware oder Dienstleistung, die im Rahmen der AGBs erbracht wird?
- Liegen die durchschnittlich fakturierten Rechnungsbeträge zwischen 500 bis 50.000 Euro?
- Liegen die vereinbarten Zahlungsziele zwischen 10 – 90 Tagen?
- Gibt es Debitorenrisiken / Forderungsausfälle, die abgesichert werden müssen?

Negativkriterien

Zugegeben: Der Einsatz von Factoring kann schwierig werden bei Neugründungen oder bei
einem regelmäßig hoher Anteil an strittigen Forderungen, einem hohen Gutschriftsanteil oder
einem hohen Anteil an Privatkunden Auch Rückgabevereinbarungen mit den Kunden oder
große Kundenabhängigkeiten (zum Beispiel wenn mehr als 50% des Umsatzes mit einem
Hauptkunden getätigt wird) werden nicht gern gesehen. Gegenforderungen von Kunden
sollten nicht mit eigenen Forderungen verrechnet werden können.

Man sollte bei Interesse trotzdem den Kontakt mit einem Factoring-Anbieter suchen. Viele
Einwände können aus dem Weg geräumt werden.

Heute möglich: Factoring für Baugewerbe

Regelmäßig waren Unternehmen des Bauhaupt- und Nebengewerbes oder des
Maschinenbaus, überhaupt Unternehmen mit branchenüblichen Abschlagszahlungen vom
Factoring ausgeschlossen. Das galt auch für Werkverträge mit Gewährleistung nach VOB.
Das trifft heute so und in dieser Ausschließlichkeit nicht mehr zu.

Es gibt Factoring-Unternehmen, die Handwerker-Factoring und VOB-Factoring anbieten. Um
eventuell auftretende Rückvergütungen aufzufangen, die durch die Vergabe- und
Vertragsordnung für Bauleistungen gewährleistet sind, wird in den meisten Fällen von den
ersten Auszahlungen ein Sonderdepot angespart (in der Regel 5-15% des gesamten
Unternehmens-Bruttoumsatzes). Zum Teil werden Anbieter sogar vom Bauportal Hessen
empfohlen. Factoring ist also durchaus eine Möglichkeit für zum Beispiel Dachdecker,
Unternehmen aus den Bereichen Heizung & Sanitär, Fensterbau, Maler, Fußbodengewerke
oder Gerüstbau.

Heute möglich: Factoring für Maschinenbauer

Auch Abschlagsrechnungen müssen kein k.o.-Kriterium mehr sein. Wichtig ist, dass die
Leistung erbracht ist, wenn die Abschlagsrechnung geschrieben wird. Voraussetzung für die
Ankauffähigkeit der Rechnung ist u.a., dass die Lieferscheine vom Kunden unterschrieben
sind (= Dokumentation/Nachweis der erbrachten Leistung).

#Finanzierung#Factoring#Rechnung#KMU#Mittelstand#Baugwerbe#Maschinenbau
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Ulrich Bendel
Autor
Ulrich Bendel
Mühl Christ Partner Management Consulting GmbH
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