31.01.2018 | Logistik

Grüne Welle: Erfolgsfaktoren umweltgerechter Logistikketten - Teil 2

Teil 2 von 2:
Green Logistics dient nicht nur zur effizienten Kostensenkung, sondern trägt auch zum Schutz der Umwelt bei. Das Unternehmermagazin Creditreform zeigt die Chancen und Problemfelder auf, denen Firmenchefs bei der Implementierung umweltgerechter Logistikketten begegnen.

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Und auch in anderen Ländern zeigen sich die Gesetzgeber findig: Die Schweiz und Liechtenstein erheben längst eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA), die sich aus Gesamtgewicht, Emissionsstufe und gefahrenen Kilometern errechnet. Und in Frankreich wiederum sind Logistikdienstleister seit Oktober 2013 gesetzlich verpflichtet, die CO2-Emissionen des Transports ihren Kunden mitzuteilen. „Die Entwicklung macht neue Strategien und Lösungen aufseiten der Unternehmen erforderlich“, sagt Florian Janz, Vorsitzender des Vereins Green Logistics World, und ergänzt: „Mehr Nachhaltigkeit wird aber nicht nur vom Staat, sondern auch von den Marktteilnehmern gewünscht.“ So fordern inzwischen viele Produzenten den sogenannten Carbon Footprint bei ihren Zulieferern ein. „Man möchte überprüfen, wie grün die Beteiligten in der Transportkette aufgestellt sind und wie es um die CO2-Bilanz steht. Wer nicht ökologisch genug ist, läuft Gefahr, aus der Kette herauszufallen“, so Janz. Umweltschutz entwickelt sich folglich immer mehr zum bedeutenden Wettbewerbsfaktor. Unterstützung bei der Konzeptionierung und Umsetzung geeigneter Strategien zur ökologiebewussten Reorganisation erfährt die Branche durch Clusterprojekte oder Organisationen wie zum Beispiel Green Logistics World. Dieser Verein – hervorgegangen aus einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie initiierten Netzwerk – berät Unternehmen unter anderem zu speziellen Förderprojekten wie zum Beispiel: Green City Cargo, das die Entwicklung angewandter Lösungen zur Reduzierung des Stückgutverkehrs und von Paketsendungen in Innenstädten unterstützt. Außerdem bietet der Verein den sogenannten Green Check an. Das Prüfverfahren besteht aus einer Detailanalyse, einer Energie- und Treibhausgasbilanz sowie einem fahrzeug- und unternehmensbezogenen Maßnahmenkatalog mit begleitendem Monitoring.

Aktionsplan „Grüner Fuhrpark“

Im Jahr 2014 durchlief die Eckes-Granini Deutschland GmbH diesen Green Check. Das Ziel war klar vorgegeben: „Wir möchten unsere Treibhausgasemissionen innerhalb von fünf Jahren um 20 Prozent reduzieren“, sagt Helmut Kinzler, Logistikleiter von Eckes-Granini. Eine ehrgeizige Vorgabe, die dazu führte, dass Granini in die Modernisierung seines Fuhrparks, in Fahrerschulungen und in ein effizientes Flottenmanagement investierte. Doch damit nicht genug: Auch die Transportdienstleister des Getränkeherstellers wurden in die Aktionspläne einbezogen. So etwa die Goehrke Transport GmbH: „Potenzialanalyse, Maßnahmenkatalog und das begleitende Monitoring während der Umsetzung helfen uns nicht nur, den CO2-Ausstoß, sondern auch die Kosten zu reduzieren“, so Geschäftsführer Joachim Goehrke. „Zudem eröffnet uns das erworbene Zertifikat den Zugang zu vielen Ausschreibungen, für die wir zuvor gar nicht in Frage gekommen wären.“ Das Zusammenspiel Granini- Goehrke beweist: Nachhaltigkeit rechnet sich ökonomisch. Dies bestätigt auch ein Rechenbeispiel der Dekra: Wirtschaftliche Fahrweise, spritsparende Technologien, Telematik und ein optimiertes Routenmanagement vorausgesetzt, ergeben sich für ein Euro-5-Sattelzug-Gespann mit einer jährlichen Laufleistung von rund 140.000 Kilometern eine CO2-Einsparung von mehr als 36 Tonnen – und in der Folge eine Kostenersparnis von fast 15.000 Euro. Allerdings fallen zuvor Investitionen in Höhe von etwas mehr als 15.000 Euro an. „Aber“, fasst die Dekra zusammen, „bezogen auf einen mittelgroßen Fuhrpark mit 30 Einheiten summiert sich die Einsparung auf 1.100 Tonnen CO2 und 450.000 Euro pro Jahr – bei einer Investitionssumme in Höhe von 275.000 Euro.“ Unterm Strich profitiert also nicht nur die Umwelt, sondern auch das Unternehmen.

GEBALLTE KOMPETENZ

Drei Anlaufstellen in Deutschland für Unternehmen, die ihren Fuhrpark umweltgerechter gestalten wollen:

Effizienzcluster Logistik Ruhr. Die entwickelten Lösungsideen zeigen, wie die Logistikbranche mit neuen Versorgungs- und Transportkonzepten oder intelligent vernetzten Systemen Herausforderungen begegnet wie etwa Klimawandel, Ressourcenverknappung, Urbanisierung oder demografischer Wandel. Insgesamt sollen mehr als 100 konkrete Innovationen entstehen. effizienzcluster.de

Green Logistics. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Spitzenclusterprogramm strebt den Ausbau der weltweiten Führungsposition im Bereich innovativer Logistiklösungen und -technologien an. Insgesamt elf Projektpartner konzipieren ökoeffiziente Systeme. green-logistics-network.info

Green Logistics World. Der Verein bearbeitet ein breites Themenspektrum rund um das Thema grüne Logistik. Zudem versteht er sich als beratendes Kompetenzzentrum. Der sogenannte Green Check bietet ein dreistufiges System zur Analyse, Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen und ökologischen Situation von Unternehmen. green-logistics-world.de


Autor: Mathias Ebeling
Quelle: Erstveröffentlichung am 01.06.2016 auf
creditreform-magazin.de/2015/06/01/erfolgreich/redaktion/gruene-welle/2

#Logistikkette#Nachhaltigkeit#Green Logistics#Flottenmanagement#Fuhrpark
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