29.06.2017 | Organisations- und Prozessberatung

Industrie 4.0 - Datensicherheit wird oft unterschätzt

-- Teil 9 von 14 der Artikelserie von Torsten Zimmermann zum Thema Industrie 4.0 --

Wenn über Industrie 4.0 diskutiert wird, so werden viele Aspekte behandelt. Oft schenkt man aber dem Sicherheitsthema nicht die Bedeutung, welche sie eigentlich verdient hätte. Hierbei erhalte ich dann oft die Bemerkung, dass die IT Security sehr wohl ein Thema sei. Das mag sicherlich stimmen. Bei meiner Aussage liegt aber die Betrachtung auf der Situation angemessene Maßnahmen für eine umfassende Sicherheitspolitik.

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Da hier eine Vernetzung aller Systeme stattfindet und die Kommunikation über verschiedene Standorte oder mit Partnern und Kunden in Bezug auf relevante Produktionsdaten stattfinden kann, ergeben sich hier neue Angriffspunkte für das betreffende Unternehmen. Mögliche Sicherheitsrisiken wären zum Beispiel:
• Ausspähen von Produktions- oder Kundendaten, um Mitbewerbern Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
• Einspielen von Schadsoftware mit dem Ziel die betreffende Infrastruktur für längere Zeit lahmzulegen.
• Geringfügige Veränderung von Produktionsdaten, um Fehlproduktionen zu generieren. Das Ziel könnte hierbei sein, das Kundenvertrauen in das betreffende Unternehmen zu reduzieren.
• Veränderung von Umgebungsinformationen wie zum Beispiel Luftfeuchtigkeit oder Temperatur, damit die Produktionsanlage aufgrund unzureichender Anpassung Schaden nimmt oder sich die Ausschussrate erhöht.
• Gezielte Bombardierung mit manipulierten Informationen mit Fokus auf eine bestimmte Branche, um diese auszuschalten.

Diese und andere neue Bedrohungen gilt es bei den regelmäßigen Sicherheitsbetrachtungen / Security-Audits mit aufzunehmen. Hierzu sind verschiedene Lösungen vorstellbar, um sich den neuen Gefahren erfolgreich zu stellen: Diese reichen von der kompletten Abschottung unternehmenskritischer (IT-)Bereiche mit dezidierten Zugängen über ausgewiesene Gates, welche unter besonderer Überwachung stehen, bis hin zum Einsatz umfangreicher, aktiver Security-Lösungen (jenseits des ordinären Virusscanners) und intelligenten Überwachungssystemen für die immer komplexer werdende IT-Infrastruktur.

Daneben gibt es im Rahmen der IT-Sicherheit noch den Aspekt der Datenverfügbarkeit und -vollständigkeit. Im Falle von Systemausfällen müssen die Informationen rasch wieder verfügbar sein. An sich ist dieses Thema nun wirklich nicht neu. Jedoch muss man sich darauf einstellen möglicherweise über ganz andere Datenmengen und Zeiträume zu sprechen, als dies heute der Fall ist. So könnte es vernetzte Systeme geben, welche bereits nach Minuten ohne neuer Informationszulieferung zum Stilstand kämen, da größere Zwischenpufferung von Daten in diesem angedachten Szenario keine Lösung wäre. Dieser Fall könnte beispielsweise genau dann eintreten, wenn das besagte System durch Realtime-Statusänderungen, initiiert durch andere mit ihm vernetzte Systeme, andere Entscheidungen als vorgesehen treffen würde.


Torsten Zimmermann arbeitet an verschiedenen I 4.0 Arbeitskreisen der Industrie mit. In loser Reihenfolge beschreibt Torsten Zimmermann die Hintergründe, Entstehungsgeschichte und Lösungsansätze zu Industrie 4.0.

Der Begriff Industrie 4.0 wurde in der Forschungsunion der deutschen Bundesregierung sowie in einem gleichnamigen Projekt aus der Hightech-Strategie der Bundesregierung geboren. Er soll die Verzahnung der industriellen Produktion „mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik“ bezeichnen. Zentraler Erfolgsfaktor und wesentlicher Unterschied zu Computer Integrated Manufacturing (demzufolge Industrie 3.0 genannt) soll die Anwendung der Internettechnologien zur Kommunikation zwischen Menschen, Maschinen und Produkten sein. Cyber-physische Systeme (cyber physical systems) und das „Internet der Dinge“ (IoT – Internet of Things) bilden hierbei die technologische Basis. Die Ziele sind im Wesentlichen klassische Ziele der produzierenden Industrie wie Qualität, Kosten- und Zeiteffizienz, aber auch Ressourceneffizienz, Flexibilität, Wandlungsfähigkeit sowie Robustheit (oder Resilienz) in volatilen Märkten. Industrie 4.0 zählt zu den Kernthemen der Digitalen Agenda der Bundesregierung.

#Industrie 4.0
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Torsten Zimmermann
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Torsten Zimmermann
NUCIDA GmbH
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