11.04.2017 | Managementsysteme

Konsequenzen der Umsetzung der ISO 50003:2004

Seit 2014 ist die ISO 50003 auf dem Markt. Lange Zeit hatte man gedacht, dass diese Norm für Deutschland wenig interessant ist, da schon ein Akkreditierungsverfahren existiert und in Anwendung ist, aber weit gefehlt, die ISO 50003 wird mit einer weltweiten Entscheidung durch die ISO als weltweit einheitliches Akkreditierungsverfahren in alle Staaten umgsetzt. Auch mit einem weltweit einheitlichen Zeitplan. Ende aller Vorbereitungen und Start zur Anwendung bei den darauffolgenden Re-Zertifizierungen oder Neuzertifizierungen sind mit dem 14. Oktober 2017 zu sehen.

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Die Zertifizierungsstellen haben ihre Verfahren anzupassen, ihre Auditoren auszubilden und 8 Industriebereichen zuzuordnen sowie das Template „Auditbericht“ anzupassen. Hier sind Informationen mit einzugeben, dass und wie dem Auditor dargelegt wurde, dass das Unternehmen seine Verbesserungen in der energetischen Leistung nachweisen konnte – so wie jedes weitere Jahr.

Und hier ist die Krux zu finden. in den meisten Unternehmen wurde die Aufgaben aus 4.4.3 der ISO 50001 nach der Identifizierung der Einflussfaktoren gerne eine Kreuzel-Matrix aufgestellt, aber keine weiteren Untersuchungen angestellt. Korrekt wäre gewesen, den Einfluss der Einflussfaktoren (Begriff BAFA „Anpassungsfaktor“) weiter zu untersuchen. Diverse Unternehmen haben nach dem Stand der Analysen dann ihre Kennzahlen aufgestellt (kWh/Produkte) und sich gewundert, dass Monat für Monat die Kennzahlen größeren Sprünge machen sich nach Zeit auf einen stabilen Wert einpendelten. Die Unruhe bleibt aber.

Abbildung 1: Tabelle mit Werten des Korrelationsfaktors
Konsequenzen der Umsetzung der ISO 50003 - Ulrich Hatzfeld - Abbildung 1 - Tabelle mit Werten des Korrelationsfaktors

Wenn man sicher sein will, ob man den relevanten Einflussfaktor gefunden hat, bei einer Eindimensionalität, sollte man nicht nur einen guten Korrelationsfaktor erhalten (besser als 0,95). Den Wert kann man rechnen, der Wert ist aber auch mit anderen Zahlenwerten erhalten, daher ist der Korrelationsfaktor alleine kein Nachweis. Zum besseren Hinweis gelangt man, wenn man die Zahlenpaare grafisch von Excel aufzeichnen läßt. Wenn hier also die Messpunkte zum großen Teil auf der von zweiten Kurve erscheint, ist der Korrelationsfaktor bestätigt und kann als Ergebnis genommen werden.

Bei einem Audit wurde seitens der Berater genau dieses jetzt öfters schon mal nachgefragt. Die Situation bei einem Unternehmen nur mit einer Schicht war schnell klar, dass man die monatlich, unterschiedlichen Produktionsstunden nicht berücksichtigt hatte. Aber auch die Kennzahlen waren nicht als „kWh/Produktmenge/Produktionsstunden“ aufgestellt worden (2 relevante Einflussfaktoren). Da in dem Unternehmen im Wesentlichen noch Druckluft, Kälte und Dampf benötigt wurde, waren die einflussnehmenden Einflussfaktoren damit noch nicht aktiv eingebunden worden.

Diese Einflussfaktoren zu identifizieren und nach und nach in das EnMS einzubinden ist gar nicht mal so schwer/kompliziert, aber aus den Energieverbräuchen des Monats mit unterschiedlichen Einflussmengen der einzelnen Einflussparameter zu selektieren, ist so nicht mehr möglich. Was man Monat für Monat erhalten / messen kann, ist ein Energieverbrauch.

Abbildung 2: Grafik des Energieverbrauchs zur Erzeugung von Kälte
Konsequenzen der Umsetzung der ISO 50003 - Ulrich Hatzfeld - Abbildung 2 - Grafik des Energieverbrauchs zur Erzeugung von Kälte

Aber aufpassen, es sind Beratungsunternehmen unterwegs, die meinen mit einer anderen Methode auch ans Ziel zu kommen. Die ISO 50004 gibt den praktischen Hinweis, dass man Kennzahlen weiter normieren sollte. De Hinweis ist ja korrekt, wie oben schon erwähnt. Nur für die weitere Normierung ist entscheidend wie man nachweist, dass es ein relevanter Einflussfaktor ist, da bei diversen Branchen eigentlich wesentliche Einflussfaktoren, auf einmal doch keine Wesentlichkeit besitzt

Abbildung 3: Angaben von einigen Branchen und deren relevanten Einflussfaktoren
Konsequenzen der Umsetzung der ISO 50003 - Ulrich Hatzfeld - Abbildung 3 - Angaben von einigen Branchen und deren relevanten Einflussfaktoren

Die Überzeugungsarbeit ist nicht so einfach, da viele Unternehmen meinen, dass ihr Messnetz und die Energie-Monitoring-Software das schon macht. Aber wenn auch die einzelnen Messgeräte noch so genau werden und die Messzeit noch so lange genommen wird, man erhält immer nur einen Verbrauchswert, der den Einfluss mit beinhaltet. Wieviel kWh für den Einfluss 1 anzusetzen sind und wieviel kWh für weitere Einflussfaktoren ist so nicht zu identifizieren.

Beispiel Energiewerte der Einflussfaktoren nach der Zerlegung:
Grundverbrauch 1.195 kWh
Produktion in kWh/Teil + 32,4
GTZ in kWh/GTZ + 4,8
Rohstoffindex kWh/Index + 22,0

Nach der Zerlegung des Energieverbrauchs in die Bestandteile Grundverbrauch, Einflussfaktor 1, 2, und 3. Kann man jetzt überlegen, wo die Projekte angesetzt haben, die ggf. mit viele Geld budgetiert waren und bei deren Nachrechnen die Einflussfaktoren ungünstig gelegen waren und somit das Controlling ein höheres ROI nachberechnet hat.

Nach der Zerlegung der Einflussfaktoren sieht die Sache anders aus, man kann jetzt der GF nachweisen, dass einmal die vorgestellten Projektvoraussetzungen korrekt waren und bei der Projektnachlese dann sich auch bewahrheiten.

Man kann dann euch erkennen, dass man den Hebel der Effizienzsteigerung auch an anderer Stelle ansetzen kann. Ggf. kann man der Entwicklungsabteilung die Aufgabe stellen, herauszufinden, wo bei der Fertigung dieses Produktes bei einem Re-Design Energieverbrauchsminderungen zu erzielen sind. Nachdem die neuen Produkte / geänderten Produkte an den Start gehen, kann man dann nach der erneuten Zerlegung der Energieverbräuche dann auch erkennen, ob die Bemühungen der Entwicklungsabteilung von Erfolg gekrönt waren

Fazit:

Die Methode hat also zwei grundsätzliche verschieden einzusetzenden Nutzen.
Der GF verdeutlichen, dass Investitionen, auch bei wandelnden Einflussfaktoren in der Sache erfolgreich „verbaut“ wurden und der ROI richtig ermittelt wurde. Also zum Aufbau von Vertrauen bei der Geschäftsführung, wie groß die Verbesserung in der energetischen Leitung ist.

  1. Auch um für die oberste Leitung im Energiemanagementsystem die richtigen Zahlen zur energetischen Leistung, zu abgeschlossenen Projekten (Energieziele) darzulegen und somit ein korrektes Review zu formulieren.

  2. Ab Mitte Oktober sind alle Organisationen im Rahmen ihrer Re-Zertifizierung oder sogar der Erst-Zertifizierung gezwungen, ihren KVP zweifelsfrei darzulegen. Die Auditoren müssen im Auditbericht verzeichnen auf welchem Wege diese Berechnung geschah und mit welchem Ergebnis. Dieser Teil des Auditberichtes wird dann im Zertifizierungsausschuss als Grundlage zu Erstellung des Zertifikates genommen.

PS: Auch die BAFA stellt schon kritische Fragen bezüglich der Ermittlung von Einflussfaktoren
Daneben gibt es mittlerweile eine Menge neuer Normen:

Es gibt für Energiemanagementsysteme, die ISO 50002, die ISO 50003, die ISO 50004, die ISO 50006 und die ISO 50015 sowie die ISO 50047 (in Arbeit). Aber trotz der immensen Unterstützung in den Normen [„practical help“], steht dort nicht beschrieben, wie man Einflussfaktoren in Bezug zu ihrem Energiebeitrag ermitteln kann. Es sind anfänglichen Methoden in diversen Normen angedeutet, die sich für eindimensionale Kennzahlen eigenen, aber nur in dezidierten Branchen (u.a. Sekundärstahlerzeugung, Kalksandsteinproduktion, …) sind nachweislich eindimensionale Kennzahlen vorhanden. Alle anderen Branchen kommen mit der Eindimensionalität nicht aus.

PS: Antwort von der DAkks (Peter Hissnauer)auf die Umsetzungspflicht der ISO 50003.
„die Regelungen der ISO 50003 gelten für die Zertifizierungsstellen und z.T. auch für die Unternehmen. Die Zertifizierungsstellen müssen ihr Kompetenzkonzept und den Zertifizierungsprozess an die ISO 50003 anpassen und von der DAkkS begutachten lassen. Die ISO 50003 wird von uns bis zum Oktober 2017 eingeführt und umgestellt, d.h. wir werden uns damit dann schwerpunktmäßig in 2017 befassen.“

Autoren:
Kurt Jankowski-Tepe

0171 – 643 96 99
Kurt.Jankowski-Tepe[-at-]t-online.de

und

Dr. Ulrich Hatzfeld
0177 – 731 00 39
uhatzfeld[-at-]pader-consult.de

#ISO 50003#BAFA#Energieverbrauch
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