13.10.2017 | Personal

Kränkungskonflikte am Arbeitsplatz – das Bedürfnis nach Gerechtigkeit

Kränkungen am Arbeitsplatz sind nicht nur ein persönliches Problem, sondern wirken sich auch auf Arbeitsqualität und Arbeitsleistung aus sowie auf die Zusammenarbeit im Betrieb. Daraus entstehen oftmals neben großen emotionalen Schäden auch wirtschaftliche.

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Kränkungsreaktionen werden im Arbeitsalltag häufig dadurch hervorgerufen, dass Sachkonflikte persönlich genommen und so zu Beziehungskonflikten werden. Oftmals gehen diese Situationen einher mit einem großen Bedürfnis der Beteiligten nach Gerechtigkeit. Der Gedanke „Gerechtigkeit herzustellen oder Recht zu bekommen“ treibt sie an. Das kann soweit gehen, dass Mitarbeiter Hilfestellungen ablehnen oder trotz einer angemessenen Abfindung nicht kündigen wollen, obwohl das die konkrete Situation des einzelnen unter Umständen verbessern würde. Mit einer Kündigung müsste der Betroffene den Kampf für die Gerechtigkeit aufgeben! Der Verlust der Arbeitsstelle würde für ihn persönliches Versagen bedeuten. Sein Gespür, welches ihm sagen möchte, dass es an der Zeit ist, die Situation der Demütigung zu verlassen, nimmt er nicht wahr.

Die dahinterstehende moralische Idee der Gekränkten lautet:
Auf der Welt sollte es gerecht zugehen!
Und so fühlen sie sich persönlich angegriffen, wenn ihnen Ungerechtigkeit widerfährt. Sie verwechseln den Wunsch nach Lob, Wertschätzung und Informationen im Betrieb mit einem verbrieften Recht, das es so nicht gibt. Der Ausgleich für die Arbeit ist die Zahlung des Gehalts. Die Frustration und der Ärger über unbefriedigende Kommunikation im Unternehmen ist gut nachvollziehbar, aber man sollte es nicht als Ungerechtigkeit gegen sich selbst erleben. Tatsächlich wird die Arbeitsmotivation und die Zufriedenheit der Mitarbeiter durch die Dialogbereitschaft auf Organisations- und Beziehungsebene nachhaltig gefördert.

Für Mitarbeiter (Vorgesetzte eingeschlossen) mit Kränkungsgefühlen ist das „Recht haben/Recht bekommen“ wichtiger als die Beziehung zu anderen Menschen. Es wird gekämpft und gestritten nur um am Ende der zu sein, der Recht hat. Der Preis dafür ist hoch: zwischen den Konfliktparteien herrscht emotionaler Krieg anstatt wohltuendem Frieden und dem damit verbundenen Freiraum für eigentliche Arbeitsaufgaben.

Wie können Sie Kränkungskonflikten vorbeugen?

Menschen, die sich leicht verletzt fühlen, haben ein großes Bedürfnis nach Beachtung und Lob.
Anerkennung und Wertschätzung helfen also, die Zusammenarbeit mit ihnen zu verbessern. Außerdem wirken Leichtigkeit im Kontakt und eine gesunde Portion Humor beziehungsfördernd.

Die Lösung von Kränkungskonflikten erfordert den persönlichen Einsatz auf beiden Seiten.
Zur Konfliktbewältigung eignet sich lösungsorientiertes Verhalten:

• Sprechen Sie das Problem an.
• Möglich, aber nicht immer sinnvoll, ist das Ansprechen der eigenen damit verbundenen Gefühle!
• Sagen Sie, was Sie anstatt dessen wollen!

Professionelle Beratung im Kränkungskonflikt ist sinnvoll für ihre Mitarbeiter.
Sie erhalten Unterstützung
• bei der Stärkung ihrer Lösungskompetenz
• bei der Bearbeitung ihres persönlichen Anteils: Warum bin ich in diesen speziellen Kränkungskonflikt geraten?
• bei der Vorsorgeprävention: Wie vermeide ich den nächsten Kränkungskonflikt?


Dies ist ein Artikel von unser Beraterin Jutta Henkel-Goldback
Quelle: in Anlehnung an Bärbel Wardetzki (2016): Kränkung am Arbeitsplatz, 4.aktuelle Auflage dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG, München

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Jutta Henkel-Goldbach
Autor
Jutta Henkel-Goldbach
Coaching, Supervision, Beratung
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