30.04.2018 | Energieberatung

Photovoltaikanlagen für Firmen: Umschalten auf Selbstversorgung

Photovoltaikanlagen für Firmen: Umschalten auf Selbstversorgung

Angesichts steigender Strompreise wollen sich immer mehr Unternehmen unabhängig von den Energieversorgern machen. Leistungsstarke Photovoltaik-Anlagen und neue Stromspeicher machen es möglich. Und einen Teil der Investitionen fördert der Staat.

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Den ersten Schritt hat Martin Alders schon vor zwei Jahren gemacht. 2016 kaufte sich der Inhaber von Alders Electronic aus Kempen in der Nähe von Düsseldorf eine Photovoltaik-Anlage und installierte sie auf dem Firmendach. Nun geht er Schritt zwei – und will sich weitgehend autark von den Stromlieferanten machen. Auch dann, wenn die Sonne mal nicht scheint. Alders schaut sich deshalb nach Stromspeichern um. Der 41-Jährige denkt dabei aber auch an seine 21 Mitarbeiter, die Joysticks für Baumaschinen herstellen. „Die steigenden Energiepreise sind bei uns ein ständiges Thema. Obwohl die Kollegen daheim Strom sparen, zahlen sie mehr. Ich würde ihnen künftig gerne überschüssigen Strom für ihren Privathaushalt überlassen.“ Im Kampf um Fachkräfte sieht Alders das als gutes Instrument, um Mitarbeiter zu binden.

150 Kilometer nordöstlich von Kempen, in Greven, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen. Hier betreibt Hans Braun, 59, im Hauptberuf Außendienstler, zwei Pensionen. Zusätzlich zu zwei Photovoltaik-Anlagen hat er sich 2015 zwei Stromspeicher gekauft. Das eine Haus wird mit einer 30-Kilowatt-Anlage betrieben, das kleinere mit einer 10-Kilowatt-Anlage. Insgesamt beliefen sich die Anschaffungskosten auf 30.000 Euro. „Mit diesen Technologien komme ich auf einen Autarkiegrad von 70 Prozent“, sagt Braun.

Die Selbstversorger kommen

Die Energiebranche ist im großen Umbruch. Es sind die steigenden Strompreise, die die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) umtreiben. Anders als rund 2.000 Großunternehmen sind KMU selten von der EEG-Umlage befreit und zahlen überproportional viel – und beginnen sich deshalb von den Versorgern zu emanzipieren. Laut dem IHK-Energiewende-Barometer 2017 planen 13 Prozent der befragten 2.250 Unternehmen, Stromspeicher zu kaufen. Sechs Prozent haben dies entweder schon realisiert oder sind in der Umsetzung.

» Die Stadtwerke können noch dreimal an der Preisschraube drehen, uns tangiert das dann nicht mehr. «
Martin Alders, Alders Electronic

Mit einer Photovoltaik-Anlage und einem Stromspeicher kann man selbst erzeugten Strom effektiver nutzen. Die produzierte Energie fließt in den Stromspeicher und verbleibt dort, bis sie verbraucht wird. „Bei einem heutigen, durchschnittlichen Strompreis von rund 30 Cent spare ich mit einer Photovoltaik-Anlage samt Stromspeicher ab dem ersten Tag Geld“, sagt Dirk Ferchland vom Beratungsunternehmen Solarfuxx. Eine Anlage mit einem ausgewogenen Verhältnis von Solarstromanlage und Solarstromspeicher bietet die Möglichkeit, einen Autarkiegrad von 68 bis 73 Prozent zu erreichen. Elektronik-Unternehmer Alders ist noch mitten in der Planung. Ein Blockheizkraftwerk kommt für ihn nicht infrage, da er mit der Abwärme nichts anfangen kann. Bei einem Stromverbrauch im Betrieb von 39.000 Kilowatt im Jahr muss er in Stromspeicher investieren, die rund 20.000 Euro kosten. Diese beinhalten Lithium-Ionen-Akkus, die eine höhere Lebensdauer haben und leichter sind als die herkömmlichen Blei-Akkus. Erfreulich: Die Geräte nehmen kaum Platz weg, sie sind gut einen Meter breit, 1,5 Meter hoch, 50 Zentimeter tief.

Der Staat zahlt mit

Einige Unternehmer schrecken vor den relativ hohen Investitionskosten zurück. Dem Speicherhersteller Senec zufolge betragen die Anschaffungskosten mindestens 10.000 Euro für den kleinsten Gewerbe-Stromspeicher mit einer Leistung von 10 Kilowattstunden. Je nach Größe des Speichers beträgt die Abschreibungszeit acht bis zwölf Jahre. Kleinere Mittelständler würden aber nur eine Abschreibungszeit von fünf bis sechs Jahren akzeptieren. „Im Gegensatz zu Privatkunden“, sagt Stephan Riss, Vertriebschef von Senec. Das Unternehmen aus Leipzig kommt aktuell auf 300 Gewerbekunden in ganz Deutschland. Dazu zählen vor allem Handwerksbetriebe und Landwirte.

Wenn es um die Kosten geht, weisen Firmen wie Senec stets auf die staatlichen Fördermöglichkeiten hin. Da ist zum einen der Bund. Die Technologieentwicklung fördert die Bundesregierung im Rahmen der Förderinitiative Energiespeicher seit 2012 mit rund 250 Projekten und 200 Millionen Euro. Auch einige Bundesländer haben Förderprogramme aufgelegt. Zum Beispiel in Thüringen („Solar Invest“) und Sachsen (Förderprogramm Stromspeicher mit/ohne Ladestation) können auch Unternehmen Zuschüsse erhalten. Nordrhein-Westfalen, das Bundesland von Elektronikunternehmer Alders und Pensionsbetreiber Braun, fördert im Rahmen des Programms „Progres“ die Anschaffung von Stromspeichern mit einer Mindestleistung von 30 Kilowatt mit 50 Prozent, gedeckelt bei einer Summe von 75.000 Euro. Die KfW fördert solche Anschaffungen zusätzlich noch mit zehn Prozent.

Strom aus der Cloud

Noch einen anderen Weg geht der Metallbaubetrieb Elsing-Brüning aus Gescher, ebenfalls in Nordrhein-Westfalen ansässig. Das Unternehmen deckt eine große Bandbreite ab, vom kleinen, eiligen Laser-Kantteil über Schweißbaugruppen bis hin zum komplexen Sondermaschinenbau. Mehr als 220.000 Kilowattstunden verbrauchte die Firma mit 35 Mitarbeitern. Geschäftsführer Jürgen Rosing hat sich gegen einen bei ihm installierten Stromspeicher entschieden und stattdessen eine Cloud-Lösung gebucht. „Uns sind die Speicher zu kostenintensiv und unflexibel“, sagt Rosing. Als Voraussetzung dafür musste er seinen Stromlieferanten wechseln, bei Senec ist er nun Cloud- sowie Stromkunde. „Den Strom, den wir nicht verbrauchen, bekommen wir jederzeit kostenneutral wieder“, sagt Rosing. Durch diese Lösung muss er zwar weiterhin Strom zukaufen, aber nur noch 80.000 Kilowattstunden pro Jahr.

Cloud-Lösungen sind in Deutschland derzeit erst von vier Firmen zu haben. „Kein Speicherhersteller bietet Cloud-Lösungen an, ohne Speicher verkaufen zu wollen“, sagt Dirk Ferchland von Solarfuxx. Senec wirbt damit, dass der Kunde durch die Cloud-Lösungen auch mehrere Betriebsstellen in Deutschland beliefern kann. Allen Strom-Selbstversorgern ist aber eins gemein: Sie schlagen mit ihren Modellen den althergebrachten Stromlieferanten ein Schnippchen. „Die Stadtwerke können an der Preisschraube drehen, uns tangiert das dann nicht mehr“, sagt Unternehmer Alders.

In der Wolke – Cloud-Lösungen beim Strom

Angeboten werden Cloud-Lösungen von den Konzernen Eon (Solar Cloud), EnBW (Solar+) und EWE (My Energy Cloud), von regionalen Energieversorgern sowie von den Firmen Sonnen (Sonnen Flat Home) und der Deutschen Energieversorgung (Senec Cloud 2.0).

Im Prinzip funktionieren die Systeme ähnlich. Erforderlich sind in jedem Fall eine Photovoltaikanlage und meist ein Heimspeicher. Im Zusammenspiel wird die produzierte Sonnenenergie in die Cloud eingespeist – und zwar immer dann, wenn der Stromspeicher voll ist und man den erzeugten Strom nicht selbst brauchen kann. So sammelt jeder Nutzer in der Cloud ein Guthaben an, das er dann in der sonnenarmen Zeit vollautomatisch wieder abrufen kann. Wurde mehr Solarstrom in die Cloud eingespeist, als man selber nutzen konnte, so wird der Überschuss am Ende der Abrechnungsperiode mit dem für die Solarstromanlage geltenden EEG-Vergütungssatz gutgeschrieben.

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Creditreform Consulting Networks GmbH
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