03.11.2017 | Unternehmensübernahmen/Mergers & Acquisitions

Scheitern für Fortgeschrittene

Günstige Zinsen, schnelles Geld und die hohen Aktienkurse haben in den vergangenen Jahren zu einem Boom von Fusionen geführt. Jedoch enden diese nicht selten, wie der prominente Fall Daimler-Chrysler – nämlich in einer Katastrophe. Doch wieso scheitern Unternehmensübernahmen so oft?

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Schauen wir uns die verschiedenen Faktoren einmal genauer an, die zum Scheitern einer Fusion führen können.

Harte Zahlen als Erfolgsgarant

Leider ist es oft der Fall, dass sich Manager von der Größe und dem Wachstum im Zukauf blenden lassen. Vor, während und nach der Fusionsentscheidung sind beide Seiten daran interessiert, größtmögliche Transparenz aller Fakten zu zeigen. Häufig bleiben Informationen zum Leitbild, zur Unternehmenskultur, dem Kooperationspartner verborgen oder werden vergessen zu hinterfragen. Hierbei handelt es sich vor allem um kulturelle Faktoren, Insights zu den Arbeitsweisen und die Soft-Skills der Mitarbeiter. Diese sind jedoch ein großer Erfolgsfaktor der Firma. Es sollten folglich nicht nur sachliche Faktoren ausgetauscht und berücksichtigt werden. Denn rein faktische Zahlen sind noch lange kein Erfolgsgarant.

Der Mensch als kleinster Erfolgsfaktor

Zahlen, die Gewinne versprechen, sind für den Käufer natürlich besonders attraktiv. Jedoch sollte man sich nicht von diesen Zahlen blenden lassen. Denn ohne gute Mitarbeiter kann kein Unternehmen Gewinne erzielen. So verhält es sich auch bei der Fusion von zwei Unternehmen.

Die Menschen möchten mit ihren Ängsten und Sorgen ernst genommen und angehört werden. “Wird es meinen Job noch geben? Was wird sich ändern?”. Die Emotionen der beteiligten Personen werden jedoch nur selten beachtet. Die emotionale Achterbahnfahrt der Angestellten sollte genauso berücksichtigt werden, wie die Berechnung von Synergieeffekten. Und nur durch aufmerksames Zuhören und eine offene Kommunikation mit den Mitarbeitern, kann eine Fusion für beide Seiten erfolgreich enden.

Zu viel Konkurrenz, zu wenig Gemeinsamkeiten

Eine Unternehmenskultur entwickelt sich über viele Jahre und ist damit fester Bestandteil des Arbeitstages aller Mitarbeiter. Bei fusionierenden Unternehmen handelt es sich häufig um konkurrierende Unternehmen. Die Konkurrenz der Firmen ist in der jeweiligen Unternehmenskultur tief verwurzelt und nicht ohne aktive Arbeit zu überwinden. Genauso wie das Image einer Firma, lässt sich auch die Unternehmenskultur nur über einen langen Zeitraum hinweg verändern. Für die erfolgreiche Fusion beider Unternehmen ist diese Annäherung und der aktive Austausch dazu entscheidend.

Dass die verschiedenen Unternehmenskulturen zum Scheitern der Fusion führen können, bestätigt auch eine amerikanische Studie. Hier wurde belegt, dass Manager die internen Konflikte einer Fusion i.d.R. unterschätzen. Dieses Ergebnis bestätigte zusätzlich ein Experiment, bei dem Probanden im Labor die Probleme, die aus unterschiedlichen Organisationskulturen entstehen, nicht vorher gesehen haben und dadurch das Planspiel scheiterte. Da eine etablierte und gelebte Unternehmenskultur im Arbeitsalltag stark präsent ist, sollte es diese auch bei einer Fusion sein.

Anpassung als Voraussetzung

Auch das Verhalten nach der Fusion kann ein Faktor sein, der zum Misserfolg der Fusion beiträgt. In vielen Fällen erwartet der Käufer, dass sich das jeweils andere Unternehmen an die eigenen Kulturen und Arbeitsweisen anpasst. Jedoch ist er selber nicht bereit, diese Anpassungsleistung zu erbringen. So warten also beide Seiten darauf, dass sich der jeweils andere anpasst. Da ist das Scheitern vorprogrammiert, oder?

Wie deutlich wurde, können einige Faktoren dazu beitragen, eine Fusion mit hohem Tempo an die Wand zu fahren. So sollte die offene Kommunikation und aufmerksames Zuhören genauso ein fester Bestandteil im Fusionsplan sein, wie die angestrebten Synergieeffekte.

Lesen Sie passend zu den Themen Unternehmensübernahme und Unternehmensnachfolge auch die weiteren Artikel von Nils Körber auf der Beraterbörse.com. Zudem informiert er auf seiner eigenen Seite Unternehmens-Nachfolge-News.de unter anderem darüber wann der richtige Zeitpunkt ist, die Mitarbeiter über einen bevorstehenden Unternehmensverkauf zu informieren.

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Nils Koerber
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Nils Koerber
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