11.10.2017 | Unternehmensnachfolge

Sechs gute Gründe, sich um die Nachfolge "später" zu kümmern.

Das Gute ist oft der Feind des Besten sagt man. Erstaunlicherweise – und eigentlich auch wieder nicht – schieben wir wichtige Dinge, Weichenstellungen und Entscheidungen immer wieder auf. Warum? Was verhindert z.B. eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der Unternehmensnachfolge?

Die K.E.R.N Nachfolgespezialisten Holger Reichert und Johannes Wolters aus Bremen gehen der Sache auf den Grund.

iStock-172656871 => Handshake, Vertrag, Abschluss, Geschäftsabschluss, Deal, Businessdeal, Unternehmenskauf, Unternehmensübernahme, Kauf, Verkauf, Übernahme
Bildquelle: © iStock.com/Srabin

Holger Reichert: „Von unseren Mandanten hören wir oft, dass sie das Thema Nachfolge angehen wollen, aber jetzt noch nicht. “Was sind eigentlich die Gründe? Herr Wolters, warum gehen so viele Unternehmer die Nachfolgeregelung nicht rechtzeitig an?“

Johannes Wolters: „Das Tagesgeschäft – ganz banal, strategische Fragen werden hinten an gestellt.“

Holger Reichert: „Nun fordern ja auch Banken ein Antwort auf das Thema – und trotzdem...das hört sich so ein bisschen nach „Aufschieberitis“ an.“

Johannes Wolters: „Ja, das hört sich so an, aber dahinter steckt das Thema der Ängste – und die sind vielfältig.“

Holger Reichert: „Könnten Sie da bitte ein bisschen konkreter werden?“

Johannes Wolters: „Die Ängste sind vielschichtig – da sind sachliche und emotionale Ängste: Z.B. sachlich – die Angst, dass der Kaufpreis nicht reicht, um die Altersvorsorge zu decken...da macht man lieber weiter. Zu den emotionalen Ängsten gehört auch klar die unbeantwortete Frage nach dem „Was kommt dann?“ „Was ist dann mein Lebensinhalt?“ „Wer braucht mich dann noch?“

Holger Reichert: „OK - Nehmen wir mal an diese Fragen wären geklärt, wäre damit für den Unternehmer die Sache dann „geregelt“ – wären damit alle emotionalen Hürden genommen?

Johannes Wolters: „In der Regel nicht. Oft genug erleben wir, dass durch den Übergabeprozess Konflikte entstehen – die vorher nicht so deutlich sichtbar waren.“

Holger Reichert: „Woran denken Sie da?“

Johannes Wolters: „In der Fa. ist es vielleicht ein leitender MA, der sich Hoffnung auf die Nachfolge gemacht hat, sich immer als erster Mann gesehen hat und dem man jetzt mit einer anderen Entscheidung konfrontiert. Oder: In der Familie muss man damit rechnen, dass sich die Kinder benachteiligt fühlen, die für die Nachfolge nicht in Frage kommen und der Ausgleich entspricht nicht den eigenen Erwartungen.“

Holger Reichert: „Haben Sie für die Schwierigkeiten auf der familiären Ebene noch ein Bsp.:

Johannes Wolters: „Der Vater fragt sich ob das Geschäftsmodell eine ausreichende Perspektive für den Sohn bietet. Diese Frage würde er sich beim einem externen Nachfolger nie stellen.“

Holger Reichert: „Das hört sich sehr vielschichtig an – würden Sie sagen, diese Aspekte finden sich in jeder Nachfolgesituation in gleicher Weise?“

Johannes Wolters: „Nein – jede Unternehmensnachfolge ist anders. Als ausgebildete Mediatoren und Coaches denken wir uns bei der Begleitung der Unternehmer immer wieder neu in die besonderen Umstände und Fragestellungen hinein. Oft ist daher zunächst unsere Arbeit den Unternehmer darin zu unterstützen, Antworten auf die oben aufgeführten Ängste und Befürchtungen zu entwickeln. Der Impuls muss allerdings von ihm selber ausgehen. Dies erfordert viel Zeit und Aufmerksamkeit, hilft aber dem Unternehmer auf der richtigen Ebene Lösungen zu finden.

FAZIT:
Unternehmer haben in der Praxis 6 gute Gründe das Thema der Unternehmensnachfolge zu vermeiden,
1. Keine Zeit aufgrund des Tagesgeschäftes
2. Kein Ziel und keine Idee von der Zeit danach
3. Die Sorge, dass der Kaufpreis zu niedrig ausfällt, um die Zeit danach zu finanzieren
4. Aktuell unbefriedigende Zahlen und die Hoffnung auf Besserung
5. Keine gerechte familieninterne Nachfolge möglich und damit drohender Streit
6. Vorurteile gegenüber Beratern

All diese Gründe haben ihre Berechtigung und verhindern oft die rechtzeitige Auseinandersetzung mit der Unternehmensnachfolge. Sie müssen hinterfragt und beantwortet werden. Dies trennt die Spreu zwischen einem M&A Berater und einem Nachfolgespezialisten.

#Unternehmenskauf#Unternehmensnachfolge#Unternehmensverkauf#Merger and Acquisition
Jetzt teilen auf:
Holger Reichert
Autor
Holger Reichert
K.E.R.N - Die Nachfolgespezialisten
Vorheriger ArtikelNächster Artikel