19.02.2018 | Personal

Teambuilding – ein Kinderspiel oder Produktivitätsfaktor!?

Die richtige Antwort lautet: Beides.

Ohne Zweifel: Eine Unternehmensorganisation ist umso schlagkräftiger, je besser die Mitarbeiter zusammenarbeiten. Der Teamgeist ist der Schmierstoff aller Geschäftsprozesse, an denen mehrere Menschen beteiligt sind. Und so gibt es kaum eine Stellenausschreibung, ohne die Forderung an den Bewerber nach Teamfähigkeit.

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Stellt man die vielleicht überraschende Frage, was mit Teamfähigkeit eigentlich gemeint ist, bekommt man von den Verantwortlichen zwar noch Antworten, die in etwa da liegen, dass der Mitarbeiter gut mit den anderen zusammenarbeiten soll. Seltener sind allerdings schon Antworten auf Fragen wie:

  • Woran erkennt man im Bewerbungsgespräch, ob diese Fähigkeit vorhanden ist?
  • Welche Voraussetzungen müssen im Unternehmen gegeben sein, dass es wirkliche Teamarbeit gibt? Was verhindert im Unternehmen Teamarbeit?
  • Was bewegt einen Mitarbeiter, teamorientiert zu handeln?

Noch schwieriger wird es, wenn es um Strategien geht, wie man aus einzelnen Mitarbeitern ein Team formt und was dieses Team auszeichnet.

Es sei behauptet: Den Wunsch nach Teamarbeit gibt es, weil sie in den Betrieben keine Selbstverständlichkeit ist. Das ist auch kein Wunder: schließlich ist eine Zusammenarbeit über alle persönliche Aversionen („Den kann ich nicht leiden.“) und formelle Selbstbehauptung („Ich brauch mir doch von einem anderen nichts sagen zu lassen.“), über Positionskämpfe und betriebsinternen Wettbewerb („Wie kann ich mich darstellen, dass ich den Posten des Abteilungsleiters bekomme und nicht mein Kollege?“) hinweg gefordert. Gegebenenfalls stehen sogar Rationalisierungen an („Wieso soll ich meinen Kollegen unterstützen, wenn bei uns Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.“), die die Kooperation beeinträchtigen.

Diese Ausgangssituation stellt an den Teamgeist der Mitarbeiter und die Führung keine geringen Ansprüche.

Was die Mitarbeiter betrifft, so sollen sie sich selbst realistisch einschätzen und einordnen. In der täglichen Arbeit des Teams ist die Fähigkeit zur sachlichen Auseinandersetzung mit dem Kollegen bis zu dem Punkt gefordert, Fehler sich und anderen einzugestehen. Nur mit einer klaren und selbstbewussten Kommunikation sind die Schnittstellen im Team zu handhaben. Und ohne Empathie, wechselseitigen persönlichen Respekt, fallweise auch berechtigte Sympathie lässt sich eine effektive Zusammenarbeit nur schwer realisieren.

Das alles sollte wesentlicher Bestandteil einer Unternehmenskultur sein, zu der die Führungskräfte ihren Beitrag zu leisten haben. Daher ist die Liste der Anforderungen an die Führung, um Teamarbeit zu entwickeln und zu fördern nicht klein. Zusätzlich ist zu beachten, dass Führungskräfte selbst Bestandteil des Teams sind, für die die gleichen Prinzipien gelten, wie für die Mitarbeiter – mit der Ergänzung, diese Prinzipien vorzuleben.
Hinzu kommen weitere Führungsaufgaben:
Wie wird bei der Personalpolitik die Teamfähigkeit überprüft?
Werden Aufgaben im Team den Fähigkeiten der Mitarbeiter entsprechend zugeordnet und wie weit kennt eine Führungskraft diese?
Sind die Aufgaben und der Erfolgsmaßstab des Teams klar formuliert?
Besitzt ein Team den Raum, im Rahmen seiner Aufgabe, eigenständig Entscheidungen zu treffen, um sich zu optimieren?
Wird die Teamleistung anerkannt und auch zählbar belohnt oder nur die Individualleistung?
Werden vermeintlich untergeordnete oder gering qualifizierte Tätigkeiten in ihrer Bedeutung für das Gesamtergebnis des Teams erkannt und anerkannt?
Werden bei Fehlleistungen Schuldige oder Fehlerursachen gesucht?

Ohne in die fruchtlose Debatte zu verfallen, ob sich Menschen ändern können oder nicht – das mag sich jeder selber fragen, ob er sich schon mal geändert hat - soll ein Erfahrungswert für interessierte Leser weiter gegeben werden: Teambuilding kann spielerisch vorangebracht werden!

Schon Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern, gemeinsame gesellschaftliche und sportliche Aktivitäten bis hin zu Events, in denen Teamgeist angesagt ist, zielen in die richtige Richtung, auf der zwischenmenschlichen Ebene das Betriebsklima zu verbessern.

Der zusätzliche Vorteil eines guten Spiels, das natürlich Spaß machen soll, ist, dass sein Zweck außerhalb betrieblicher Interessenkonstellationen liegt. Mit einem Regelwerk versehen, das alle Elemente des Teamworks wie Aufgabenteilung, Kommunikation, Einigung auf Regeln rationeller Zusammenarbeit, Führung, Konfliktlösung, Aufmerksamkeit, Empathie und Perspektivwechsel herausfordert, wird die Eigendynamik eines Teams im Guten wie im Schlechten für jeden Teilnehmer deutlich. Die Freiheit des Spiels wird von den Teilnehmern genutzt und sie geben sich daher auch authentisch.

Dann ist es wirklich ein Kinderspiel, den Teilnehmern zuzutrauen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und für sich die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen. Es ist allerdings ein haltloses Versprechen, wenn – wie sich das die eine oder andere Führungskraft wünscht – ein Event allein genügen würde, den Teamgeist langfristig voran zu bringen. Das Commitment, das jeder für sich und gegenüber dem Team trifft, braucht Hege und Pflege durch die Führung, womit wir wieder bei der Liste der Anforderungen an die Führung hinsichtlich der Entwicklung von Teamwork sind.

Also: Vergnügen und produktiveres Arbeiten ergänzen sich. Zum Beispiel in der Büdinger Schnitzeljagd.

#Team#Teambuilding#Motivation#Teamarbeit
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Rolf Gärtner
Autor
Rolf Gärtner
Callidita Ltd.
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