10.10.2017 | Unternehmensnachfolge

Unternehmenskauf als strategische Maßnahme – Teil 2

Im ersten Teil dieses Beitrags ging Holger Reichert von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten der Frage nach, warum es in der jetzigen wirtschaftlichen Situation sehr sinnvoll ist, als Unternehmer strategisch in den Kauf von Unternehmen zu investieren. In diesem Teil geht es um die Frage: „Wie setze ich einen solchen Schritt um?“ Er diskutiert praktische Aspekte aus der Sicht von potentiellen Kaufinteressenten bzw. Übergebern mit seinem Kollegen Johannes Wolters.

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Johannes Wolters: „Herr Reichert, warum zögern Unternehmer eigentlich offensiver an den Kauf eines anderen Unternehmens heran zu gehen?“

Holger Reichert: „Das hat verschiedene Gründe. U.a. möchte man selbst auch nicht einfach „aufgekauft“ werden. Dieser Eindruck entsteht ja oft, wenn von Unternehmenskäufen berichtet wird. Die Heuschrecke kommt und das war´s dann. Außerdem ist der Kauf eines Unternehmens ein ganz anderes „Geschäft“ als organisch einen Mitarbeiter nach dem anderen einzustellen und Fachbereiche oder Standorte eines Unternehmens Schritt für Schritt auszubauen. Das hat auch etwas mit kaufmännischer Vorsicht bzw. Risikobereitschaft zu tun.“

Johannes Wolters: „Ist es denn einfach, ein zur eigenen Firma passendes Unternehmen zu finden?

Holger Reichert: „Nein, einfach ist das nicht. Vor allem, wenn man das alles allein neben dem Tagesgeschäft leisten muss.

Johannes Wolters: „wie geht man so einen Vorgang denn an, können Sie die wichtigsten Schritte einmal nennen? „

Holger Reichert: „Man kann sich diesen Kaufvorgang in mehreren Phasen vorstellen:
• Zuerst muss ein Suchprofil erstellt werden, um darauf aufbauend eine Longlist mit den Zielunternehmen zu erstellen, die diesem Profil entsprechen. Dies ist mit viel Recherche und der Schaltung von neutralisierten Suchanzeigen verbunden.
• Anschließend geht es darum, öffentlich zugängliche Informationen über die Unternehmen einzuholen und auszuwerten, die für einen Kauf in Frage kommen.
• Danach folgt durch den Käufer die Verdichtung der Longlist zu einer Shortlist. Die darin enthalten Unternehmen werden telefonisch oder persönlich angesprochen und Erstgespräche mit den entsprechenden Personen geführt werden. Dabei wird auch das Verkaufsinteresse abgefragt und die Anonymität des Käufers gewahrt.
• Trifft man auf grundsätzliche Bereitschaft folgt nun die Verhandlungsphase, in der alle wichtigen Interessen und Aspekte der Käufer- und Verkäuferseite besprochen und vertraglich festgelegt werden.
• Hier müssen die unterschiedlichsten Fachleute und Berater einbezogen und koordiniert werden.
• Danach folgen die Kommunikation nach innen und außen sowie die Umsetzung der vereinbaren Schritte.“

Johannes Wolters: „Ich kann mir vorstellen, dass gerade die Wertermittlung und die Preisfrage entscheidend für einen erfolgreichen Unternehmenskauf sind.“

Holger Reichert: „Das ist richtig. Auch hier unterstützen wir einen Unternehmer nachdem ein passendes, übergabebereites Unternehmen gefunden ist dabei, ein angemessenes Kaufangebot zu machen. Wir koordinieren die Suche nach passenden Förder-, Finanzierungs- und Beteiligungsmodellen und begleiten Verhandlungsschritte zwischen den beteiligten Parteien.“

Johannes Wolters: „Sie nannten gerade das Stichwort „begleiten“. Ist das wirklich so nötig, wie oft behauptet wird?“

Holger Reichert: „Klares JA. Aus den Feedbacks der Unternehmer wissen wir, dass gerade die Begleitung eines Unternehmenskaufs ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Wenn Sie an die unternehmerischen Fragen, die steuerlichen und rechtlichen Anforderungen bis hin zu den emotionalen und kommunikativen Aspekte denken, gibt es so vieles zu bedenken, das nicht zum Kerngeschäft eines kleinen, mittelständischen Unternehmens gehört.““

Johannes Wolters: „Wie lange kann so ein Unternehmenskauf dauern?“

Holger Reichert: Das ist sehr unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig. Wenn alle Beteiligten sehr schnell sind kann ein Kauf in weniger als 12 Monaten komplett über die Bühne gehen – oft aber gibt es Verzögerungen, die einen Unternehmenskauf deutlich länger dauern lassen. Aber auch hier gilt: Es ist gut in diesem Prozess einen Nachfolgeberater an der Seite zu haben, der immer wieder neu die Fäden aufnimmt. Das ist besonders in den Zeiten wichtig, in denen auch das Tagesgeschäft nicht zu kurz kommen darf.

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Holger Reichert
Autor
Holger Reichert
K.E.R.N - Die Nachfolgespezialisten
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