01.06.2017 | Unternehmensübernahmen/Mergers & Acquisitions

Was kommt nach der Übernahme eines mittelständischen Betriebes?

Unternehmenskauf - Was kommt nach der Übernahme eines mittelständischen Betriebes?

Der Unternehmenskauf endet zumindest prozessual mit dem Closing des Unternehmenskaufvertrages. Das ist oft der Zeitpunkt, wo Rechtsanwälte, Steuerberater und M&A Berater das Käufermandat schließen. Für den Erwerber beginnt erst jetzt der wohl schwierigste und auch risikoreichste Abschnitt in seinem Projekt „Unternehmenskauf“. Ich habe für Sie die wichtigsten Schritte und ToDo´s nach der Übernahme zusammengefasst.

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Bildquelle: © iStock.com/Björn Wylezich
Seien Sie präsent

Schon vor dem Closing sollten Sie (im Idealfall gemeinsam mit dem Verkäufer) versuchen eine Bindung zu den Mitarbeitern aufzubauen. Für die Schlüsselressource „Mitarbeiter“ ist es von elementarer Bedeutung das Gefühl von Sicherheit nach einer Übernahme zu bekommen. Diese Sicherheit kann meistens nur durch eine bekannte Person hergestellt werden. Personen die bei der Belegschaft noch nicht bekannt sind, werden oft misstrauisch empfangen. Seien sie also gerade in der Anfangsphase sehr präsent und haben immer ein offenes Ohr für die Ängste und Anregungen der Mitarbeiter. Sie sind auf deren Wissen und Know-How angewiesen. Seien sie der erste der kommt und der letzte der geht. Das schafft Vertrauen und signalisiert ihre Bereitschaft gemeinsam etwas zu bewegen.

Arbeiten Sie an Ihrem Führungsstil

Führungsstile werden als gegeben hingenommen. „Ich führe halt so.“, hört man oftmals von Unternehmern. Wenn Sie das Unternehmen nachhaltig übernehmen wollen, sollten Sie jedoch genau analysieren, welcher Führungsstil von ihrem Vorgänger gelebt wurde. Versuchen Sie herauszufinden, ob dieser Stil bei den Mitarbeitern Hemmnisse auslöst oder ob der Führungsstil die Mitarbeiter fördert. Danach gehen Sie in eine Helikopterperspektive und analysieren ihren eigenen Führungsstil. Fragen Sie ehemalige Arbeitskollegen ob Sie sich in diesem Punkt korrekt einschätzen. Im nächsten Schritt passen Sie dann ihren Führungsstil auf die Bedürfnisse ihrer neuen Mitarbeiter an. So können Sie mit einfachen Mitteln unmittelbar einen positiven Effekt nach der Übernahme erreichen.

Veränderungen langsam angehen

Sie wollen nun schnell ihre Ideen und Konzepte in das neu erworbene Unternehmen einbringen. Das kann ich nachvollziehen. Versuchen Sie jedoch nicht sofort nach der Übernahme radikale Änderungen herbeizuführen. Damit verunsichern Sie die Mitarbeiter. Realisieren Sie in der ersten Phase nur Veränderungen die einen direkten und vor allem positiven! Effekt auf die Mitarbeiter haben. Kleines Beispiel: Schaffen Sie einen neuen Kaffeevollautomaten an und stellen den Mitarbeitern ab sofort kostenlos Mineralwasser zur Verfügung (natürlich nur, wenn es das noch nicht gibt). Worauf ich eigentlich hinauswill ist, dass bereits kleine Änderungen eine große Wirkung entfalten können. Drehen Sie nicht in ihren ersten 2 Wochen die kompletten Kommunikationsprozesse um oder führen eine neue Zeiterfassung ein. Das ist mit Sicherheit das falsche Signal.

Prüfen Sie ihre Zugriffsmöglichkeiten

Eigentlich sind es die normalen Voraussetzungen in einem Kaufvertrag, der erst dann zum Closing kommt, wenn die im Folgenden beschreibenden Voraussetzungen erfüllt sind. Dennoch lohnt es sich hier eine strukturierte Checkliste anzufertigen.
Haben Sie vollen Zugriff auf alle Konten bei allen Banken?

  • Wer hat noch Zugriff auf die Bankkonten?
  • Haben Sie Zugriff auf das CRM System?
  • Haben Sie Zugriff auf das Intranet?
  • Haben Sie Zugriff auf die Lohnbuchhaltung?
  • Haben Sie Zugriff auf die Faktura?
  • Haben Sie Zugriff auf die Projektmanagement Tools?
  • Haben Sie Zugriff auf sämtliche Räume? Wer hat welche Schlüssel?

Die Punkte können hier nur exemplarisch aufgeführt werden und dienen lediglich der Anregung, bzw. als Impuls. Eine komplette Checkliste ist abhängig vom gekauften Unternehmen und sollte vor der Übernahme erarbeitet werden.

Wichtige Dienstleister und Kunden

Als letzten Denkanstoß möchte ich hier auf die Kontakte zu wichtigen Dienstleistern wie Steuerberater, Vertriebsagentur, Personalvermittler, etc. verweisen. Sie sollten in der Anfangsphase schnell „auf Tour“ gehen und sich persönlich mit Kunden und Dienstleistern unterhalten. Bauen Sie eine persönliche Bindung auf. Kommen Sie ins Gespräch und stellen Sie ihre Zukunftspläne vor. Nur so werden evtl. bestehende Bindungen zum Verkäufer gelöst werden können.
Es gibt eine Menge Punkte in der sogenannten Post-Merger Integration Phase zu beachten. Planen Sie die ersten 4 Wochen nach Übernahme durch. Erstellen Sie sich einen detaillierten Zeit- und Kommunikationsplan. Dann nehmen Sie schon ein paar Hürden noch vor dem Start. Sprechen Sie mich gerne zu Vorlagen oder weiteren Impulsen an.

#Unternehmenskauf#Prozessmanagement#Prozesse#Firmenübernahme
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Andre Achtermeier
Autor
Andre Achtermeier
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