10.05.2017 | Managementsysteme

Weitere Konsequenzen im Zusammenhang mit der Umsetzung der ISO 50003

Eine der neuen Anforderungen der ISO 50003 ist u.a., dass die bisher zugelassenen Energie-Management-System-Auditoren neu zugelassen werden müssen, und zwar in Bezug zu den neuen acht „technischen Bereichen“. Zugelassene Auditoren müssen erneut ihre Kompetenz in den „technischen Bereichen“ nachweisen. Eine Art Bestandsschutz soll es laut Dakks nicht geben. Das heißt, dass Auditoren aus der Industriesparte nicht automatisch alle vier „techni-schen Bereichen“ zugeordnet werden und dort direkt zugelassen werden. Einige Unterneh-men werden also neue Auditoren zugeordnet bekommen, was nicht bedeutet, dass die Zert-Stelle den Unternehmen böses will. Einige EnMS-Auditoren werden gar nicht wieder zugelas-sen werden, da Sie ggf. keine technische Kompetenz nachweisen können.

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Bisher wurden für die Industriesparte der ISO 50001 und der Dienstleistungssparte je ein Witness-Audit verlangt. Das Prüfnetz wird enger gespannt. Zu jeder der vier „technical Areas“ wird es ein Witness-Audit jetzt geben.

Dann haben die Zert-Stellen auch noch die Aufgabe, die Auditoren innerhalb von drei Jahren in einem Witness-Audit zu bewerten. Die DAkks erwartet, dass die Regeln, die bei dem Ge-schäftsstellenaudit anliegen, auch für die Witness-Audits angelegt werden und dass die Audi-toren und die Witness-Auditoren darauf achten, ob das EnMS seine geforderten Funktionen auch hat (Theorie oder Praxis). Es gibt Zert-Stellen, die Kompetenzvorgaben für die internen Witness-Auditoren haben, sog. Supervisoren. Auch der Bericht des Witness-Audits soll an die neuen Gegebenheiten angepasst werden, mit Angaben von Stichproben und Anmerkungen zu der Prüftätigkeit und zu der technischen Kompetenz der Auditoren in den diversen Quer-schnittstechnologien.

Die Frage ist nun, wie groß ist die Chance eines Unternehmens noch, durch dieses Witness-Netz zu schlüpfen und damit der Prüfung des Energiemanagementsystems und seiner Darle-gung des KVP der energiebezogenen Leistung zu entgehen. Nur wenige Unternehmen besit-zen ein effektives und effizientes Energiemanagementsystem. Es passiert zurzeit mehr und mehr, dass die Auditoren gefragt werden, ob sie eine Erklärung dafür haben, warum ihre Kennzahlen großen monatlichen Schwankungen unterliegen? Man hätte dieses schon lange beobachten müssen, aber die Kennzahl hätte sich nach diversen Jahre immer noch nicht be-ruhigt. Ein Hinweis auf ein nicht-korrekt aufgebautes Kennzahlensystem!

Diese intensivierte Prüfdichte in Bezug zu Witness-Audits führt das zu einem Problem? Nicht für die wenigen Unternehmen, die ihre Kennzahlen korrekt installiert haben, so dass die Veränderung der energiebezogenen Leistung (ISO 50001; 4.4.5 Kennzahlen und 4.4.4. ener-getische Ausgangsbasis) aus der Differenz von Baseline (Kennzahl zum Start eines Projektes) und der aktuellen Kennzahl nach der Umsetzung des Projektes zu ermitteln ist.
Andernfalls (Problem) hat der Auditor dem Unternehmen eine Hauptabweichung auszustel-len. Diese Hauptabweichung kann dann innerhalb von 3 Monaten korrigiert werden. Wenn das Resultat der Korrekturmaßnahme aber immer noch nicht passt, muss man das Zertifikat zurückgezogen werden. Die Hauptabweichung auszustellen, sollten die EnMS-Auditoren auch dann ausstellen, wenn eine Witness-Begutachter der DAkks nicht mitläuft (?).

Die Prüfung der Situation innerhalb eines Unternehmens ist mittels weniger Fragen und ei-nen Blick in der Datenwelt des Unternehmens, einfachst möglich. Diese interne Prüfung soll-te jedes Unternehmen einmal andenken, da viele Unternehmen durch Berater unterstützt oder durch die Hilfe von Broschüren aus dem Internet ihr Energiemanagementsystem auf-gebaut haben oder über den Besuch bei Seminaren zum Energiemanagementsystem. Leider sind viele Seminaranbieter in diesen Themen in den letzten Jahren wenig funktionell gewe-sen. Impulse/Nachfragen zu UpDate der Seminarinhalte führten weniger zum Erfolg, mehr zu Gegenwind. Es gibt auf dem Markt auch keine Schulungen/Seminar zur Weiterbildung in Sachen EnMS, bis auf einen Fall. Das zeigt sich auch bei den Schulungen zu diesen Themen bei den Zertifizierern, ERFA genannt. Es kommt eine heftige Gegenweht Seitens der Audito-ren, die zu diversen Themen/Forderungen der ISO 50001 einige Feinheiten nicht erkannt haben und/oder in den vergangenen Jahren nicht praktiziert haben.

In den Broschüren z.B.: vom Umweltbundesamt, sind auch nur wenig nützliche Informationen zu Kennzahlen zu finden, in anderen Broschüren größtenteils aber auch nicht. Die ISO 50001 schreibt im Kapitel 4.4.4 vor, dass die Veränderungen (+/-) der energetischen Leistung über die Differenz zwischen der Baseline und der aktuellen Kennzahl zu ermitteln ist, derartige Kennzahlen findet man in der folgenden Tabelle (Beispiel) nicht! Also hierfür wenig nützlich!

Weitere Konsequenzen im Zusammenhang mit der Umsetzung der ISO 50003 - Ulrich Hatzfeld - Tabelle Beispiel

Auch Seminaranbieter haben bei der Ausbildung / Seminare zur ISO 50001 diese Vorge-hensweise mannigfaltig aus Broschüren kopiert und die gleichen Hinweise gegeben, ohne auf den von der Norm geforderten Punkt zu kommen. Und gerade dort werden die DAkks-Begutachter ihre Schwerpunkte finden, „sind Kennzahlen richtig konstruiert und kann man über Baseline und Kennzahlen den KVP in der energiebezogenen Leistung des Energiemana-gementsystems oder der geleisteten Projekte erreichen“ – eigentlich ganz einfach.

Das Thema ist aber heute schon bei der ISO 50001 gefordert, den KVP aus der Analyse der Baseline und der Kennzahl(en) zu ermitteln. Das wird aber größtenteils nicht auf diese Weise errechnet. Meist will man versuchen darzulegen, dass der KVP über den Energieverbrauch irgendwie zu errechnen ist, vergisst dabei aber, den Einfluss der Anpassungsfaktoren - und erhält somit wenig korrekte Werte (bzw. inkorrektes Ermittlungsverfahren – siehe Normen-forderung).

Im Markt der Energiemanagementsysteme geht zurzeit ein Gerächt um, dass die BAFA bei Außenprüfungen Unternehmen besucht, die eine EnMS-Zertifikat besitzen und damit u.a. die EEG-Anteile kompensieren können bzw. bei der SpaEfV die Steuerrückzahlung beantragen können. Eigentlich aus verlässlicher Quelle kommend, lassen sind aber keine konkreten Nachweise zu dieser Prüftätigkeit ermitteln. Neben den diversen Witness-Audits der DAkks dann auch noch Prüfungen durch die BAFA – das wäre eine immense Störung bei der Zertifi-ziertätigkeit und der Vergabe von „Gratifikationsurkunden“. Diverse Unternehmen erhalten treu und brav ihre Zertifikate Jahr für Jahr, auch wenn die Weiterentwicklung des EnMS nicht in der Art und Geschwindigkeit sich weiterentwickelt, wie von diversen Auditoren angeschoben.

Wenn Sie sich ihrer Zertifikate und den damit verbundenen Steuerrückvergütungen oder EEG-Reduzierungen oder Akzeptanz in Bezug zum EDL-G sicher sein wollen, sollten Sie die Datenlage ihres Energiemanagementsystems analysieren (analysieren lassen). Wenn Sie selbst oder ihre bisherigen Berater das Problem des KVP nicht so gelöst haben, wie eben beschrieben, ist die Chance groß für den Auditor (alleine oder in Begleitung eines DAkks-Begutachters), dass dabei eine Hauptabweichung zu schreiben sein würde.

Wer also nicht bei einem EnMS-Audit eine unangenehme Überraschung erleben will, eine Hauptabweichung vom Auditor überreicht zu bekommen, sollte sich vorher darum bemühen, eine Person zu kontaktieren, die die Sachlage vorher analysieren kann, die also nicht im Audit-prozess eingebunden ist. So ist das Zertifikat weniger in Gefahr verloren zu werden.

Sie können natürlich auch auf „Risiko“ setzen und das Witness-Audit der BAFA oder der DAkks abwarten.

Falls Sie sich aber entscheiden, das EnMS vorher zu testen, so können Sie u.a. mich direkt kontaktieren.

#ISO 50003#Audit
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Ulrich Hatzfeld
Autor
Dr. Ulrich Hatzfeld
Pader Consult Dr. Ulrich Hatzfeld
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